Es schneit. Mein Viertel, die Upper East Side in Manhattan, und meine Straße in der Nähe des East River sind mit sanftem Weiß bedeckt. Außer ein paar Autofahrern, die einen Parkplatz suchen, ist kaum Verkehr. Sie fahren hin und her und um den Block, und wenn das Glück nicht auf ihrer Seite ist, kann es ein oder zwei Stunden dauern, bis eines der schneebedeckten Autos ausparkt. Urteilt man nach den vorbeifahrenden Autos, kann man sagen, dass die Menschen, die in diesem New Yorker Viertel leben, Geld haben. Einige von ihnen, das weiß ich sicher, sind so reich, dass sie die gesamte Schweiz kaufen könnten und immer noch Geld auf dem Konto übrig hätten. 

Aber trotz ihres Geldes sind sie nicht glücklich 

Wenn sie ihre Autos geparkt haben, gehen sie nach Hause, sie setzen sich hin und lesen oder schauen Nachrichten. Und die Nachrichten, die sie lesen oder sehen müssen, so sagen sie es mir, sind schrecklich. Nein, New York wird kein zweites Aleppo werden; viel schlimmer. Schon in ein paar Tagen – während sie mir das erzählen, schlucken sie eine Menge Beruhigungspillen – wird etwas Schlimmeres passieren. Ein Mann, ein von Russland geliebter Mann, der dafür bekannt ist, Frauen in den Schritt zu grabschen, wenn er nichts Besseres zu tun hat, wird Präsident der Vereinigten Staaten werden, er wird die amerikanische Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen und im Weißen Haus ein Kasino eröffnen – oder so etwas in der Art. 

Der Name dieses Albtraums epischen Ausmaßes ist Donald J. Trump

Oh, rette uns! 

Sie raufen sich die Haare vor Fassungslosigkeit, bekommen unerträgliches Sodbrennen, ihr Blutdruck erreicht Rekordhöhen und zum ersten Mal in der Geschichte wissen selbst ihre Psychoanalytiker nicht weiter. 

Verdammter Trump. 

Wie bei US-Küstenbewohnern üblich, kennen meine parkplatzsuchenden Nachbarn sowohl die West-, als auch die Ostküste, sind sich aber völlig im Unklaren darüber, was dazwischen ist. Der Umstand, dass zwischen den beiden Küsten viele Staaten mit Hunderten Städten liegen, in denen man sein Auto einfach in der eigenen Garage abstellen kann und in denen Menschen andere Nachrichten aus anderen Quellen lesen oder sehen, ist etwas, das ihr Verstand nicht fassen kann. Aber es gibt sie, in der Mitte von Amerika, wo viele Menschen dieser Tage guter Dinge sind. Sie feiern, sie lachen, sie sind obenauf – und ihre Psychoanalytiker arbeitslos. 

Vielleicht fragen sie sich, warum sie so glücklich sind? Klar, wegen Trump. 

Wie kommt es, dass ein Tycoon, ein Mann mit dem furchtbarsten aller Haarschnitte, solch extrem entgegensetzte Gefühle in den Herzen von Hunderten von Millionen Menschen hervorrufen kann? 

Die Wahrheit ist, – das sollten Sie sich von mir sagen lassen, denn niemand anderes wird Ihnen das sagen – dass alle falsch liegen. Warum? Weil niemand wirklich weiß, was Trump machen wird. Das Einzige, was wir mit Sicherheit annehmen können, ist, dass er im Oval Office keiner Frau in den Schritt grabschen wird. Die Clinton-Ära ist schließlich vorbei, und es gibt zu viele Russen, die in den dunklen Ecken des Weißen Hauses herumschnüffeln. 

Bis auf diese eine Annahme kann man nicht wissen, was er tun oder nicht tun wird. Und beurteilt man ihn nach den letzten Monaten, weiß nicht einmal Trump, was Trump tun wird. Trump lebt in einer Kasino-Welt, in der man ständig seine Taktik ändert, je nachdem, wo der nächste Dollar auftaucht. 

Sie fragen sich vielleicht: Wenn niemand weiß, was dieser Trump will, wieso wurde er dann gewählt? 

Ungeachtet allen Mangels an konkretem Wissen glauben beide Seiten dennoch, dass Trump diese überzogene Idee davon, was es ausmacht, ein Amerikaner zu sein, in Stücke schlagen wird. Und während die Küstenbewohner wollen, dass die Dingen so bleiben, wie sie sind, wollen die meisten anderen Amerikaner mit der Vergangenheit aufräumen. Einfach gesagt: Die Menschen abseits der Küste haben es satt, von den Küstenbewohnern diktiert zu bekommen, wie sie zu denken und sich zu benehmen haben. Sie haben genug von der politischen Korrektheit von Amerikas Eliten, und sie wollen ihr Leben auf ihre Weise leben, und nicht auf die Art, wie es ihnen die Küstenbewohner predigen. 

Woher ich das weiß?