Donald Trump sagt dies, er sagt das, seine künftigen Minister sagen etwas ganz anderes – wo es hingeht, weiß man am Ende dieser Woche nicht. Das trifft vor allem auf die Außenpolitik der USA zu. Wer sich von der großen Pressekonferenz des kommenden Präsidenten viel erwartet hatte, wurde enttäuscht. Und die bisherigen Anhörungen der Kabinettskandidaten im Senat sind schwer zu deuten: Die überraschenden Bekenntnisse zur Nato, die harte Kritik an Russland und das Lob für die Arbeit der Geheimdienste passten so gar nicht zu dem, was Trump bisher vertreten hatte.

Trump habe seine Leute nach ihrer Expertise ausgesucht, nicht nach ihrer Fähigkeit seine eigenen Positionen nachzuplappern. So erklärt der künftige Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, die Widersprüche. Formiert Trump also eine Mannschaft, die, anders als sein Getöse es erahnen lässt, am Ende vergleichsweise besonnene Politik macht? Oder sagen die Kandidaten bloß, was die Abgeordneten von ihnen hören wollen? Gibt es Streit im Team? Spicer ist sich sicher: "Letzten Endes wird jeder von ihnen der Trump-Agenda folgen." Noch allerdings klingt das nicht so.

Rex Tillerson etwa, der designierte Außenminister, beschrieb Russland als eine Gefahr. Die Nato-Verbündeten lägen richtig damit, beunruhigt zu sein von einem wiederaufstrebenden Russland. Die Verpflichtung der USA in der Allianz zur gegenseitigen militärischen Verteidigung nannte er "unantastbar". Tillerson lehnte es zwar ab, von Russland als Kriegsverbrecher zu sprechen – "ich würde diesen Begriff nicht benutzen" –, betonte aber, dass es mit seinen Bombenangriffen in Syrien internationale Normen verletzt habe. Die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim bezeichnete er als illegal und stellte klar: "Russland muss für sein Handeln zur Verantwortung gezogen werden."

James Mattis, der Verteidigungsminister werden soll, warnte vor Versuchen des russischen Präsidenten, den Interessen der USA und der Nato-Verbündeten zu schaden: "Der momentan wichtigste Punkt ist, dass wir erkennen müssen, mit wem wir es bei Herrn Putin in Wirklichkeit zu tun haben." Es gebe eine lange Liste von Gelegenheiten, bei denen die USA versucht hätten, positiv mit Russland zusammenzuarbeiten – "und wir haben eine relativ kurze Liste von Erfolgen in dieser Hinsicht". Mattis sprach sich für eine Politik der Abschreckung gegenüber Russland aus, die US-Regierung müsse bereit sein, sowohl diplomatische wie auch militärische Maßnahmen zu ergreifen – gemeinsam mit den Verbündeten.

"Wir haben einen gemeinsamen Feind"

Der als CIA-Chef nominierte Mike Pompeo gab sich in seiner Anhörung ebenfalls sehr kritisch gegenüber Russland. Die Versuche, etwa mit den Hacking-Angriffen auf Computer der Demokraten, Einfluss auf die US-amerikanische Präsidentschaftswahl zu nehmen, seien "ziemlich eindeutig" gewesen: "Das war ein aggressives Verhalten der Führungsspitze in Russland." Pompeo wurde erwartungsgemäß auch nach seiner Einstellung zum Waterboarding befragt, das Trump für angemessen hält, um mutmaßliche Terroristen zum Reden zu bringen ("Folter wirkt"): Selbst auf direkte Weisung Trumps will Pompeo solche Praktiken nicht anordnen. Die Arbeit der Geheimdienste verteidigte er energisch.

Völlig klar ist: Wären die Kandidaten in den Befragungen sauber auf Trumps bisheriger, vom außenpolitischen Konsens Washingtons weit abweichender Linie geblieben – die Chancen für eine Zustimmung des Senats wären gering gewesen. Skepsis ist also ohnehin angebracht.

In Trumps Umgebung gibt es jedoch auch einige einflussreiche Personen, die sich weder dem Kongress noch der Öffentlichkeit stellen müssen. Der Nationale Sicherheitsberater zum Beispiel, den Trump sich ohne jede Anhörung ins Weiße Haus holen kann. Wahrscheinlich wäre Trumps Wahl, Michael Flynn, nicht durch den Kongress gekommen. Der ehemalige General und Chef der Defense Intelligence Agency hat durch seinen rabiaten Führungsstil viele verärgert. Aufgefallen ist er durch eine Reise nach Moskau, wo er neben Präsident Putin bei einem von dem Staatssender RT veranstalteten Galadinner saß. Er ließ sich von RT für eine Rede bezahlen. Flynn hat sich wiederholt für gute Beziehungen zu Putin ausgesprochen. Ausgangspunkt ist Flynns kritische Sicht auf den Islam und der Kampf gegen den Terror. "Wir haben einen gemeinsamen Feind", sagte Flynn. "Und das ist der radikale Islam."