Die Europaabgeordneten der italienischen Protestbewegung Fünf Sterne (M5S) werden nicht Teil der liberalen Alde-Fraktion im Europaparlament. Das teilte Alde-Chef Guy Verhofstadt mit. Es gebe nicht genug Gemeinsamkeiten, um einen Beitritt zu ermöglichen, sagte Verhofstadt. Daher habe der Fraktionsvorstand die Aufnahme abgelehnt. Bei Fragen von gemeinsamem Interesse, etwa in den Bereichen Umwelt, Transparenz oder direkte Demokratie, werde man aber weiter eng zusammenarbeiten.

Damit bleibt die Bewegung des Ex-Komikers Beppe Grillo voraussichtlich Mitglied der Fraktion Europa der Freiheit und der direkten Demokratie (EFDD) an. Darin sind zahlreiche rechtspopulistische und EU-skeptische Abgeordnete und Parteien organisiert, darunter die britische Ukip von Nigel Farage und die AfD-Europapolitikerin Beatrix von Storch.

In einer Online-Abstimmung hatten sich 80 Prozent der M5S-Bewegung für einen Fraktionswechsel ausgesprochen. Die Abstimmung war von Grillo auf den Weg gebracht worden. Eine weitere Mitgliedschaft in der EFDD-Fraktion würde bedeuten, die kommenden zweieinhalb Jahre "ohne gemeinsames politisches Ziel" anzugehen, hatte der Parteigründer argumentiert. Die Ukip wird als stärkste Kraft der EFDD nach dem Brexit-Votum in absehbarer Zeit aus dem EU-Parlament ausscheiden.

Kritik auf beiden Seiten

Der Zusammenschluss war auf beiden Seiten auf Bedenken gestoßen. Bei der Abstimmung hatten einige Fünf-Sterne-Anhänger nach Angaben der M5S-Führung ihren Unmut über die Kehrtwende Grillos ausgedrückt, der 2014 einen Beitritt zur Alde noch abgelehnt hatte. Die Liberalen befürworten entschieden die Europäische Union und den Euro. Dagegen trat Grillo bislang dafür ein, in Italien einen Volksentscheid über den Austritt aus der Eurozone abzuhalten.

Auch die französische EU-Parlamentarierin Sylvie Goulard hatte sich gegen die Aufnahme ausgesprochen, da die Partei weithin als "antieuropäisch" wahrgenommen werde. Der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Matteo Salvini, hatte von einer "unglaublich europafreundlichen Kehrtwende" der Bewegung gesprochen. Grillo wolle für "ein bisschen mehr Macht in Brüssel" die Seiten wechseln. Die Lega Nord gehörte bis 2014 der EFDD an.

Wenn der Wechsel zustande gekommen wäre, wäre Alde nach der christdemokratischen Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) und der Progressiven Allianz der Europäischen Sozialdemokraten im Europäischen Parlament (S&D) die drittstärkste Kraft im EU-Parlament gewesen.