Der konservative französische Präsidentschaftskandidat François Fillon will Informationen vorlegen, die den Vorwurf entkräften sollen, dass seine Frau unter ihm scheinbeschäftigt war. "Mit einer gewissen Anzahl Nachweise" werde Fillons Anwalt zu den Ermittlern gehen, sagte der Fraktionschef der konservativen Republikaner im Senat, Bruno Retailleau.

Die Zeitung Le Canard Enchaîné hatte berichtet, dass Fillon seine Frau jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt hatte, ohne dass sie tatsächlich gearbeitet hätte. Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft hatte am Mittwoch in Vorermittlungen unter anderem die Vorwürfe der Veruntreuung geprüft. Grundsätzlich ist es französischen Abgeordneten erlaubt, Familienangehörige zu beschäftigen, solange diese tatsächlich arbeiten.

Zur Verfahrenseröffnung schrieb Fillon, er wolle "baldigst bei der Finanzstaatsanwaltschaft empfangen werden", um die "Verleumdungskampagne zum Schweigen zu bringen". Der Präsidentschaftskandidat erklärte, es gäbe keinerlei Grundlage für die Anschuldigungen. Auch der Sprecher des Politikers betonte, dass die Beschäftigung legal gewesen sei.

Fillon gilt als Favorit

Die Zeitung beruft sich auf Lohnabrechnungen, laut denen Pénélope Fillon von 1998 bis 2002 bei ihrem Mann und dann bei dessen Nachfolger in der Nationalversammlung als parlamentarische Mitarbeiterin angestellt gewesen sein soll. Insgesamt habe sie etwa 500.000 Euro aus der Parlamentskasse erhalten.

Als Konsequenz aus der Fillon-Affäre wollen die beiden sozialistischen Kandidaten für den Élysée-Palast die Beschäftigung von engen Verwandten im Parlament verbieten. "Ich denke, dass diese Entscheidung nötig ist", sagte Ex-Premier Manuel Valls bei einem TV-Duell mit seinem Konkurrenten Benoît Hamon. Der Ex-Bildungsminister forderte, dass es im Parlament und im Senat verboten werden solle, "einen Cousin, ein Kind oder einen Ehepartner" zu beschäftigen.

François Fillon war von 2007 bis 2012 Premierminister von Frankreich und wurde im November zum Präsidentschaftskandidaten der bürgerlichen Rechten gekürt. In Umfragen liegen er und die rechtsextreme Front-National-Kandidatin Marine Le Pen in Führung. Frankreich wählt seinen neuen Präsidenten in zwei Wahlgängen im April und Mai.