Der scheidende Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat sich alarmiert über die Entwicklung in den USA nach dem Regierungswechsel gezeigt. "Es geht nicht um Kleinigkeiten, sondern um Grundfragen unseres Selbstverständnisses, wie bei der Haltung zur Folter", sagte Steinmeier der Süddeutschen Zeitung. Der neue US-Präsident Donald Trump hatte sich im Kampf gegen Terroristen für die Anwendung der Foltermethode Waterboarding ausgesprochen.

Trump bekräftigte seine Haltung unterdessen in einem Interview mit dem Sender Fox News. Waterboarding funktioniere "absolut", sagte er. Der Präsident sagte weiter: "Radikale Extremisten gehen in einen Club und mähen jeden mit einem Maschinengewehr um. Und dann ist bei ihnen Waterboarding nicht erlaubt?" Das wirke auf ihn "so töricht und so naiv", sagte Trump.

Steinmeier äußerte dennoch die Hoffnung, dass Trump im Amt langfristig moderater agieren und insbesondere auch den Nutzen des transatlantischen Verhältnisses erkennen werde. "Dieses Fundament ist nur stark, wenn es von beiden Seiten getragen und gepflegt wird." Der neuen US-Regierung sollte einleuchten, dass die USA nichts davon hätten, wenn Europa geschwächt werde, sagte der SPD-Politiker.

Steinmeier warnte zugleich vor einem Ende des Atomabkommens mit dem Iran. Der Vertrag habe einen Krieg in der Nahost-Region verhindert, sagte er. "Die Ängste werden nicht kleiner dadurch, dass Iran wieder an der Entwicklung von Atomwaffen arbeitet." Trump hat das Abkommen als schlecht kritisiert und gedroht, es aufzukündigen oder eine bessere Vereinbarung auszuhandeln.

Frank-Walter Steinmeier übergibt sein Amt an diesem Freitag an den bisherigen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Er selbst wird im Februar voraussichtlich zum Bundespräsidenten gewählt.