Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon soll neben seiner Frau auch zwei seiner Kinder auf Parlamentskosten für fragwürdige Tätigkeiten beschäftigt haben. Nach Berichten des Satire- und Investigativmagazins Canard Enchaîné gerät der Konservative durch die Affäre immer mehr unter Druck. Seine Familienmitglieder sollen für die mutmaßliche Scheinbeschäftigung insgesamt mehr als eine Million Euro erhalten haben.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Zeitung berichtet, dass Fillon seine Frau Penelope jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt hatte, ohne dass sie tatsächlich gearbeitet hätte. Laut der neuen Ausgabe soll sie mehr als 900.000 Euro für verschiedene Tätigkeiten bekommen haben. Der größte Teil davon soll aus der Staatskasse gezahlt worden sein, auch noch nach 2007, als Fillon Premierminister wurde. Außerdem soll sie 100.000 Euro von einer Zeitschrift bekommen haben, die einem Freund ihres Mannes gehört. Der damalige Redaktionsleiter bezweifelte, dass sie für das Magazin gearbeitet habe.

In seiner Zeit als Senator soll Fillon auch zwei seiner Kinder als Mitarbeiter beschäftigt haben. Deren Einkünfte hätten sich auf 84.000 Euro belaufen, schreibt Canard Enchaîné. Fillon selbst hat angegeben, er habe die Tochter und den Sohn für "präzise Missionen" bezahlt. Zudem sollen sie nach seinen Worten als Anwälte gearbeitet haben, obwohl sie zu dieser Zeit noch nicht in dem Beruf tätig waren.

Vorwürfe fatal für Wahlkampagne

Fillon weist die Vorwürfe zurück und sagte, er wolle die "Verleumdungskampagne" aufklären. Die französische Finanzstaatsanwaltschaft prüft derzeit den Vorwurf der Scheinbeschäftigung und Veruntreuung öffentlicher Gelder. Am Dienstag ließen sich Beamte Dokumente im französischen Parlament übergeben. Der Fraktionschef der konservativen Republikaner, Christian Jacob, bezeichnete den Einsatz als Durchsuchung, die Ermittler äußerten sich zunächst nicht dazu. Am Tag zuvor war das Paar Fillon befragt worden. Die beiden seien froh, dass sie "ihre Ehre verteidigen konnten", sagte ihr Anwalt Antonin Lévy hinterher dem Sender BFMTV.

Abgeordnete dürfen in Frankreich Familienmitglieder als parlamentarische Mitarbeiter beschäftigen. Durch die Fillon-Affäre haben die Präsidentschaftskandidaten der Sozialisten, Manuel Valls und Benoît Hamon, eine Diskussion angeregt, ob die Beschäftigung von Familienmitgliedern im Parlament untersagt werden solle.   

Für die Präsidentschaftskampagne von Fillon und den Republikanern kommt die Affäre knapp drei Monate vor der Wahl zu einem schlechten Zeitpunkt. "So wie sich die Dinge entwickeln, müssen wir einen schnellen Plan B entwickeln", sagte ein Vertreter der Konservativen. Ein zweiter Abgeordneter sagte, die größte Gefahr seien Vorwürfe, bei denen Fillon im Amt bleiben könne, aber geschwächt in die Wahl gehen müsse. 

Bei den Republikanern gibt es nach den Vorwahlen kein Verfahren, durch das Fillon ersetzt werden könnte. Im November wurde er zum Kandidaten der bürgerlichen Fraktion gewählt. Seine Umfragewerte sind nach den Veröffentlichungen bereits gesunken.