Bisher war Gary Cohn Vizechef von Goldman Sachs, künftig wird er den US-Präsidenten als oberster Wirtschaftsexperte beraten. Sein Abgang bei der Investmentbank wird großzügig vergütet: Laut einem Bericht der New York Times erhält Cohn eine Sofortzahlung von 65 Millionen Dollar und ein Aktienpaket im Wert von 220 Millionen Dollar.

Die Abfindung bestärkt in den USA die Diskussion um eine mögliche Bestechlichkeit der neuen US-Regierung und die Nähe von Donald Trump zur Finanzindustrie. Cohn war knapp 26 Jahre für Goldman Sachs tätig. Er arbeitete sich vom Rohstoffhändler zum Vizepräsidenten hoch. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Lloyd Blankfein war er lange für das Tagesgeschäft der Bank zuständig. Cohns weltweite Kontakte zu Kunden der Bank – Unternehmen, Investmentfonds, Regierungsmitglieder – dürften ihm auch künftig nutzen, wenn er als Trumps oberster Wirtschaftsberater den National Economic Council im Weißen Haus leiten wird.

"Sie spielen ein Spiel", sagte der Jurist Richard Painter der New York Times mit Blick auf die Bank. "Und sie spielen dieses Spiel, um diese Person auch künftig eng an Goldman Sachs zu binden." Painter ist Professor an der Universität Minnesota und einer der Initiatoren einer Verfassungsklage gegen Trump. Darin heißt es, der US-Präsident würde gegen die Verfassung verstoßen, indem er über die Geschäftsbeziehungen etwa seiner Hotels mit ausländischen Regierungen Geschenke von ihnen annehmen würde. Trump wies diese Klage jüngst als "wertlos" zurück.

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Viele Spenden, kein Gehalt

Im Fall des Bankmanagers Cohn stören sich die Kritiker vor allem daran, dass der 56-Jährige – zumindest nach Informationen der New York Times – nicht bereit ist, sein Aktienpaket komplett zu verkaufen oder es zumindest einem unabhängig verwalteten Treuhandfonds zu überschreiben. Damit würde er dem Beispiel des designierten neuen Außenministers Rex Tillerson folgen. Der bisherige Vorstandschef des Energiekonzerns Exxon Mobile bekommt seinerseits eine üppige Abfindung in Höhe von 180 Millionen Dollar, hatte aber eingewilligt, alle finanziellen Verbindungen zu seinem bisherigen Arbeitgeber zu kappen.

Die New York Times zitiert einen Insider, laut dem Cohn jüngst eine Reihe von "beachtlichen Spenden" an diverse Organisationen geleistet habe und ja auch kein Gehalt für seine Arbeit im Weißen Haus beziehe. Zudem soll Cohn seine Beteiligungen an Tochterfirmen von Goldman Sachs verkauft haben. Über die Höhe der ursprünglichen Einlagen gab die Bank allerdings keine Auskunft.

US-Regierung - Das Team von Donald Trump Banker, Generäle und Klimaskeptiker: Donald Trumps Team ist komplett. Ein Überblick über seine Berater und Minister. © Foto: Getty Images