Nach der Ankündigung eines harten Brexits durch Großbritannien hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an die Einheit Europas appelliert. "Das A und O ist, dass Europa sich nicht auseinanderdividieren lässt", sagte Merkel nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Paolo Gentiloni in Berlin. "Das werden wir durch sehr intensive Kontakte auch sicherstellen." Merkel betonte zugleich, dass die Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens erst mit dem offiziellen Antrag beginnen würden.

Wichtig sei, jetzt einen "klaren Eindruck" von den Vorstellungen Großbritanniens zu haben, sagte Merkel in ihrer ersten öffentlichen Reaktion auf die Rede von Theresa May. Darin hatte die britische Premierministerin dargelegt, dass ihre Regierung einen harten Brexit aus der Europäischen Union anstrebt. Mit dem Austritt aus der EU will Großbritannien also zugleich auch den europäischen Binnenmarkt verlassen. Um Handelsabkommen mit anderen Ländern schließen zu können, will London eine neue Zollvereinbarung mit der EU.

Bei einer deutsch-italienischen Wirtschaftskonferenz ergänzte Merkel, die EU sollte sich die nächsten Jahre aber nicht nur mit Austrittsverhandlungen beschäftigten, sondern sich auch um die Zukunft der übrigen 27 Staaten Gedanken machen. Die Verhandlungen mit London dürften nicht zu einer "Rosinenpickerei" werden: "Das Referendum in Großbritannien ist natürlich auch so etwas wie ein Weckruf für die anderen 27 Mitgliedstaaten."

Gentiloni sagte nach dem Gespräch mit Merkel, May habe am Dienstag "Butter bei die Fische" gegeben. Wichtig sei aber auch, dass sie das Festhalten Großbritanniens an internationalen Allianzen bekräftigt habe. "Auf dieser Grundlage gibt es dann eines Tages eine Einigung." Er nannte die Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump eine weitere Herausforderung. Sie werde wirtschaftliche Folgen haben, die eingehend untersucht werden müssten.

Bei der Sitzung des Kabinettsausschusses "Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union" in Berlin ging es nach Angaben von Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer hauptsächlich um die Vorbereitung der Austrittsverhandlungen. Den im November ins Leben gerufenen Brexit-Ausschuss der Bundesregierung führen Merkel, Vize-Kanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sowie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (beide SPD). Weitere ständige Mitglieder sind Finanzminister Wolfgang Schäuble, Kanzleramtschef Peter Altmaier (beide CDU), Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sowie Regierungssprecher Steffen Seibert. Außerdem können je nach Thema Fachminister zu den Sitzungen hinzugerufen werden.