"Alternative Fakten". Mit diesen zwei Worten machte Kellyanne Conway Geschichte. Die 50-Jährige ist Trumps Beraterin im Weißen Haus. Ihr Job in Wirklichkeit: Den Präsidenten verteidigen um jeden Preis. Nach Trumps Amtseinführung behauptete dessen Pressesprecher, Trumps Feierlichkeiten in Washington hätten eine größere Zuschauermenge angezogen als alle seine Vorgänger. Luftaufnahmen zeigten das Gegenteil.

Doch als ein Journalist Conway fragte, warum das Weiße Haus derart offensichtlich gelogen habe, widersprach Conway. Trumps Sprecher habe lediglich "alternative Fakten" dargelegt. Damit löste Conway weltweit einen Aufschrei in den Medien aus. "Eine Tragödie für die amerikanische Demokratie", klagte die Financial Times. Auch die New York Times sah das Ansehen des Landes durch diese Episode geschwächt. "Pressefreiheit und Wahrheitsliebe sind die Grundlagen unserer Stärke in der Welt genauso wie das Militär und unsere Währung." Conway dürfte die Aufregung egal sein. Sie hat die Kritik von ihrem Boss abgelenkt und das war ihre Absicht. Darin hat Conway mehr als reichlich Erfahrung. Sie war Trumps Wahlkampfmanagerin in der heißen Phase. Ihr verdankt er nicht zuletzt seinen Erfolg.

Bei einer Kostümparty nach dem Wahlsieg trat sie als Superwoman auf. Conway ist die erste Frau, die die Kampagne eines Präsidentschaftskandidaten von einer der großen US-Parteien leitete. Als sie im August vergangenen Jahres übernahm, sah es so aus, als ob Trumps Chancen schwinden würden. Er hatte sich einen ätzenden Streit mit den Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten geliefert und lag mit acht Prozentpunkten abgeschlagen hinter seiner Rivalin Hillary Clinton.

Doch es sollte noch schlimmer kommen. Kurz nachdem Conway übernommen hatte – ihr Vorgänger Paul Manafort verlor nach Angaben von Insidern einen internen Machtkampf gegen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner – kamen Aufnahmen ans Licht, in denen Trump vor einem TV-Auftritt dem Moderator in vulgärster Weise beschrieb, wie er Frauen belästigte. 

Beobachter – und Hillary Clintons Kampagne – waren sicher, dass Trump die weiblichen Wähler damit endgültig verprellt haben würde. Doch Conway wusste es besser. Denn Frauen als Wählerinnen und Konsumentinnen sind ihr Spezialgebiet. Nach ihrem Jurastudium an der George Washington University blieb Conway, ein selbsterklärter Politik-Junkie, in der Hauptstadt. Sie arbeitete für prominente Beratungsfirmen, die Wahlanalysen für die Republikaner machten. Es war eine Männerdomäne – und ist es bis heute. Doch Conway fand eine Nische. 1995 machte sie sich mit einer eigenen Agentur selbständig, die für Unternehmen wie den Kreditkartenherausgeber American Express, den Spielwarenhersteller Hasbro und Vaseline, eine Unilever-Tochter, herausfinden sollte, was Konsumentinnen wollen.

Nicht ständig auf dem Golfplatz

Zu den Kunden gehörten bald auch republikanische Politiker, die weibliche Wähler ansprechen wollten. Darunter unter anderem Bill Clintons Gegenspieler Newt Gingrich und Mike Pence, der heute Trumps Vizepräsident ist. Später erklärte Kellyanne Conway ihren Erfolg einmal damit, dass sie anders als männliche Konkurrenten nicht ständig auf dem Golfplatz gewesen sei und keine Geliebte habe. In Washington traf sie auch ihren späteren Mann, George T. Conway III, ebenfalls ein Anwalt mit enger Verbindung zu den Konservativen. Conway war unter anderem am Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton beteiligt.

Im Präsidentschaftswahlkampf war sie zunächst für Ted Cruz tätig, einen von Trumps Konkurrenten während der Vorwahlen. Trump sei nicht geeignet für den Top-Job. Er habe sein "Imperium auf dem Rücken der kleinen Leute gebaut", sagte sie damals. Dennoch holte sie Steve Bannon, der ultrarechte Medienmann, der heute Trumps Chefberater im Weißen Haus ist, in die Trump-Kampagne. Conway kannte Trump da schon länger. Ihr und ihrem Mann gehörte ein Apartment in einem von Trumps Gebäuden in New York. Er habe sich stets um die Bewohner gekümmert und sei ein regelmäßiger Teilnehmer der Eigentümerversammlung gewesen, lobte Conway nach ihrem Wechsel . Inzwischen ist Conway nach Alpine in New Jersey gezogen, einem der teuersten Orte der USA. Sie habe die Stadt verlassen wollen, nachdem der Demokrat Bill deBlasio in New York Bürgermeister geworden war, erklärte sie.

US-Regierung - Das Team von Donald Trump Banker, Generäle und Klimaskeptiker: Donald Trumps Team ist komplett. Ein Überblick über seine Berater und Minister. © Foto: Getty Images