Militärisch, lautete fast sechs Jahre lang das Mantra der westlichen Diplomatie, ist der Krieg in Syrien nicht zu gewinnen. Es kann nur eine politische Lösung geben. Der Satz bleibt richtig, auch wenn Wladimir Putin gerade das Gegenteil zu beweisen scheint.

Die russische Luftwaffe hat gemeinsam mit den Flugzeugen und Helikoptern Baschar-al Assads den Osten Aleppos in Grund und Boden bombardiert. Doch nur wenige Tage darauf verabredeten Assad und mehrere Rebellengruppen eine Waffenruhe, die für ganz Syrien gelten soll. Garantiemächte der Vereinbarung sind Russland, die Türkei und der Iran. Vergangenen Freitag um null Uhr trat die Feuerpause in Kraft.

Man muss sich die Tragweite dieses Geschehens vor Augen führen. Als sich kurz vor Weihnachten der russische, der türkische und der iranische Außenminister in Moskau trafen, war einer nicht dabei, der in den vergangenen Jahren bis zur Erschöpfung um eine friedliche Lösung für Syrien gerungen hat: US-Außenminister John Kerry. Die Vereinigten Staaten waren nicht einmal konsultiert worden.

Nicht eingeladen war auch Staffan de Mistura, Chefunterhändler der Vereinten Nationen, der gerade zu einer neuen Runde der Friedensgespräche für den 8. Februar nach Genf eingeladen hatte. Stattdessen kündigten Putin und sein Außenminister Sergej Lawrow Friedensverhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana für Mitte Januar an.

Geradezu genüsslich zeigt der Kreml den Amerikanern die Grenzen ihrer Macht auf. "Inmitten eines schwierigen Machtübergangs in Washington hat Mr. Putin die Vereinigten Staaten wirkungsvoll marginalisiert und sich in die Position des beherrschenden internationalen Spielers in Syrien manövriert", kommentiert die New York Times mit grimmiger Anerkennung.

Dies sind bittere Tage für die westliche Diplomatie. Und trotzdem muss sie, müssen wir alle, der "Moskauer Erklärung" jeden Erfolg wünschen. Es ist ja nicht auszuschließen, dass die drei selbst ernannten Garantiemächte eine Formel finden, die den Weg zum Frieden ebnet.

Russen, Türken und Iraner scheinen sich über informelle Einflusszonen in Syrien verständigt zu haben. So könnten sie ihre unterschiedlichen, einander zum Teil direkt widersprechenden Interessen im Lande miteinander in Einklang bringen. Auch sind sie offenbar übereingekommen, dass Assad bis zur nächsten Präsidentschaftswahl im Amt bleiben kann, um dann durch einen anderen Vertreter des Regimes abgelöst zu werden.

Die Vereinten Nationen versuchen, gute Miene zum russisch-türkisch-iranischen Machtspiel zu machen. Der Sicherheitsrat verabschiedete am Silvestertag eine Resolution, in der die Feuerpause unterstützt und das geplante Treffen in Astana als "wichtiger Schritt" hin zu den Genfer Verhandlungen begrüßt wird. Diplomaten müssen so etwas können.

In Wahrheit ist die Skepsis groß, ob den drei Regierungen gelingt, was alle anderen sechs Jahre lang nicht geschafft haben. Schon stellen die ersten Rebellengruppen ihre Teilnahme an den Friedensverhandlungen wieder infrage, weil das Assad-Regime die Waffenruhe nicht einhalte. Andere Gruppen, wie die islamistische Dschabhat Fatah al-Scham, der syrische Ableger von Al-Kaida, oder die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) waren von den Gesprächen ohnehin ausgeschlossen – die einen auf russischen, die anderen auf türkischen Wunsch.