Ägyptens starker Mann Abdel Fattah al-Sissi brüstete sich, er habe als erster ausländischer Staatschef Donald Trump zu seinem Wahlsieg gratuliert. Syriens Diktator Bashar al-Assad kürte den neuen US-Präsidenten gar zu seinem "natürlichen Verbündeten" im Kampf gegen den Terror. Das saudische Königshaus hofft aufgekratzt, die kommende Administration werde sich Erzfeind Iran wieder kräftig vorknöpfen.

Israels Benjamin Netanjahu kann es kaum erwarten, im Weißen Haus vorzufahren. Ihm versprach Trump im Wahlkampf freie Hand beim Siedlungsbau plus den Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. In Teheran wiederum könnte ein scharfer Kurswechsel der USA die Wiederwahl des moderaten Präsidenten Hassan Ruhani im Mai torpedieren. Irans Hardliner dagegen wittern ihre Chance, durch gezielte Provokationen gegen den impulsiven Obama-Nachfolger den verhassten Atomvertrag loszuwerden und die Liberalisierung der Gesellschaft zu stoppen.

Und so trauert unter den nahöstlichen Potentaten kaum jemand Barack Obama nach. Alle blicken mit hohen Erwartungen auf Donald Trump, weil sie hoffen, der neue US-Präsident werde sich ihre Sicht der Konflikte zu eigen machen. Doch die Konturen von dessen Nahostpolitik sind bislang vage, so dass jeder regionale Herrscher seine Anliegen frei hinein projizieren kann. Die Realitäten des Nahen und Mittlere Osten dagegen bleiben gewohnt vertrackt, die jahrzehntelangen Konflikte in dem gewalttätigsten Teil der Erde ein Nullsummenspiel. Was dem einen nützt, schadet dem anderen.

Assad hofft, dass Trump mit den Russen kooperiert

Ansätze für stabile und übergreifende Kooperationen, die sich zum Vorteil der gesamten Region auswirken, gibt es schon lange nicht mehr. Und so sind Enttäuschungen und neue Aversionen gegen die USA fast zwangsläufig, da vieles auf den nahöstlichen Wunschlisten schlicht unvereinbar ist.

In Syrien hofft Machthaber Bashar al-Assad, Trump werde auf die russische Linie einschwenken, die Unterstützung für die Rebellen kappen und von seinem Regime ablassen. Saudi-Arabien dagegen sieht sich bei Syrien in einer "geopolitischen Allianz" mit den USA. Man denke nicht daran, "die moderate Opposition ihrem Schicksal zu überlassen", erklärte Außenminister Adel al-Jubeir. Der designierte US-Außenminister Rex Tillerson stellte bei seiner Anhörung vor dem Senat klar, der Krieg gegen den "Islamischen Staat" habe Priorität, aber auch das Ziel, Assad abzulösen, bleibe auf der Agenda.

Das ägyptische Regime wiederum registrierte hocherfreut, dass Trump allen Islamisten weltweit den Kampf ansagte. Und so setzt Kairo darauf, dass Washington die Muslimbruderschaft zur Terrororganisation erklärt, die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen am Nil beendet und die jährliche Waffenhilfe von 1,3 Milliarden Dollar weiter zahlt. Das aber wird die Türkei auf den Plan rufen, Nato-Mitglied und offizieller Verbündeter der USA. Deren Führung unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan fördert den politischen Islam und gewährt vielen Muslimbrüdern Unterschlupf. Zudem erwartet Ankara, dass die Trump-Administration Erdoğans Intimfeind Fethullah Gülen ausliefert sowie die militärische Zusammenarbeit mit den syrischen Kurdenmilizen stoppt.

Deren Kämpfer jedoch sind für die geplante Rückeroberung der IS-Hauptstadt Rakka unentbehrlich. "Niemand weiß wirklich, was die Prioritäten von Präsident Trump im Nahen und Mittleren Osten sein werden, aber den Kampf gegen den IS hat er zur Chefsache erklärt", erläutert der Syrienexperte Andrew Tabler von dem "Washington Institut für Nahostpolitik". Insofern sei eine Kündigung der Allianz mit den syrischen Kurden das letzte, was die neue Administration tun werde. "Denn wer das macht, wird sofort wieder erhebliches Territorium an den IS verlieren."

Nahostkonflikt - Trump sorgt für Furcht und Freude Donald Trump will die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Benjamin Netanjahu nannte ihn einen "Freund des Landes". Palästinenser hingegen fürchten, dass dies den Friedensprozess massiv behindern werde. © Foto: Saul Loeb/Getty Images