Es tropft im Internationalen Flughafen von Erbil. Vor den Schaltern von Iraks staatlicher Fluggesellschaft fangen Plastikschüsseln das Wasser auf. Die Passagiere müssen einen Bogen um sie machen. Auch vor dem Gepäckband tröpfelt es von der Decke. Dabei ist das Flughafengebäude erst sieben Jahre alt. Mit einem pompösen Festakt wurde es 2010 eingeweiht.

550 Millionen Dollar hat sich die kurdische Regionalregierung das Prestigeobjekt kosten lassen. Geschwungene Dachkonstruktion, offene, helle, transparente Hallen aus Glas, Chrom und Metall. Der Flughafen war das Symbol einer aufstrebenden Region, nun ist er ein Symbol für den heutigen Zustand von Kurdistan.

Vor vier Tagen hat die Bundesregierung eine Verlängerung des Nordirak-Mandats beschlossen. Bis zu 150 Bundeswehrsoldaten sollen für ein weiteres Jahr irakische Streitkräfte ausbilden, vorwiegend kurdische Peschmerga-Kämpfer in Erbil. Die Zustimmung des Bundestages gilt als sicher. 100 Millionen Euro Militärhilfe hat Deutschland im vergangenen Jahr für den Irak bereitgestellt. Damit werden neben der Ausbildungsmission auch Waffen und militärische Ausrüstung für die Peschmerga finanziert.

Am Kampf gegen den sogenannten Islamischen Staat (IS) beteiligen sich 65 Staaten, die EU, die Arabische Liga und Interpol. Neu ist das Engagement der Nato, die ab diesem Jahr als Bündnis im Irak aktiv wird und sich ebenfalls am Aufbau irakischer Sicherheitskräfte beteiligen wird. Das wurde während des Warschauer Gipfels im Juli 2016 beschlossen.

Die Anstrengungen im militärischen Bereich wachsen und zeigen im Kampf zur Rückeroberung von Mossul langsam Wirkung. Doch die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation wird in Irak-Kurdistan von Monat zu Monat schwieriger. Meistens hätten sie nur zwei, höchstens vier Stunden Strom am Tag, klagen Menschen in Erbil; Wasser gäbe es auch nicht genug.

In Kurdistans zweitgrößter Stadt Sulaimaniyya kommt Wasser nur ein Mal in der Woche aus dem öffentlichen Netz. Riesige Wassertanks auf den Hausdächern sind die Folge. Bei den derzeitigen Minusgraden kann es sein, dass nicht ein Tropfen in die Waschbecken läuft, weil die Leitungen eingefroren sind. Treibstoff für die unentbehrlichen Generatoren ist nahezu unerschwinglich geworden. Überall stehen verlassene Baukräne herum. Kaum ein Haus wird derzeit fertig gebaut.

Kinder gehen nicht zur Schule

Einzig die behelfsmäßigen winterfesten Container oder Wohnwagen für die Flüchtlingslager lassen die Hersteller noch verdienen. Das Geld dafür kommt von unterschiedlichen Geberländern und internationalen Hilfsorganisationen. Investitionen aus dem Ausland, mit denen vor zehn Jahren der Aufschwung in die autonome kurdische Region gekommen war, fließen nicht mehr.

Die meisten ausländischen Ölfirmen haben Kurdistan verlassen. Die Regionalregierung hat ihre Gewinnanteile nicht mehr bezahlt, genauso wenig wie die Gehälter von Lehrern, Universitätsdozenten und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst. Fünf Monate lang mussten sie ganz auf ihren Lohn verzichten oder bekamen lediglich 25 Prozent ausbezahlt. 

In den Provinzen Sulaimaniyya und Halabja traten Lehrer und Universitätspersonal deswegen in den Streik. Seit September gibt es keinen Unterricht mehr. Der kurdische Bildungsminister droht nun, das komplette Schul- und Studienjahr abzuerkennen. Wer kann, geht weg. Unter den Hunderttausenden irakischen Flüchtlingen in Europa sind vor allem in Deutschland viele Kurden aus dem Nordirak.