Der SPD-Vorsitzende und Vizekanzler Sigmar Gabriel hat die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump kritisiert. "Das waren heute hoch nationalistische Töne", sagte der SPD-Chef im ZDF. Es fehlte nur noch, das
Parlament als Quasselbude zu bezeichnen und von Systemparteien
zu sprechen, dann sei man in der politischen Rhetorik der
Konservativen und der Reaktionären der zwanziger Jahre des letzten
Jahrhunderts. "Man muss den Mann ernst nehmen", sagte Gabriel. "Ich glaube, wir müssen uns warm anziehen." Die Europäer rief Gabriel auf, zusammenzustehen und "beinhart unsere Interessen" zu vertreten. "Wir dürfen weder unterwürfig sein noch Angst
haben."
Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages, Norbert Röttgen (CDU), bezeichnete die Rede als "Ankündigung der Trump-Restauration". "Dieses war eine Rede, die das Land weiter und tiefer spalten wird", sagte Röttgen der Rheinischen Post. Seiner Einschätzung nach beinhalte die Rede "den Rückzug Amerikas von internationaler Verantwortung und Solidarität und die offene Verkündung von Egoismus als Prinzip amerikanischer Außenpolitik". Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt twitterte: "Rede eines Populisten. Grenzen dicht machen, Amerika zuerst und das Blut der Patrioten. Mir ist sehr kalt."
Beifall erhielt Trump aus Großbritannien: Der ehemalige Chef der EU-feindlichen Ukip-Partei, Nigel Farage, lobte die Rede als "sehr stark".
Frankreichs Präsident François Hollande kritisierte am Tag von Trumps Amtseinführung dessen Ankündigung neuer Handelsschranken. Es sei falsch, "die Grenzen zu schließen, wie einige es uns empfehlen, wie derjenige, der heute seinen Amtseid ablegt", sagte Hollande beim Besuch eines Unternehmens in den Vogesen. "Wir sind in einer globalen und offenen Wirtschaft", sagte der Staatschef. "Und es ist nicht möglich, und es ist auch nicht wünschenswert, sich von der Weltwirtschaft isolieren zu wollen."
Mexikos Präsident sagt "respektvollen Dialog" zu
Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto will mit seinem US-Kollegen trotz dessen anhaltender Kritik an Mexiko respektvoll zusammenarbeiten. "Ich gratuliere Präsident Trump zu seinem Amtsantritt", schrieb der Staatschef des Nachbarlandes auf Twitter. "Mit gemeinsamer Verantwortung werden wir zusammenarbeiten, um unsere Beziehung zu stärken."
Trump hatte immer wieder angekündigt, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu errichten, um die illegale Einwanderung zu stoppen. "Wir werden in einen respektvollen Dialog mit der Regierung von Präsident Trump treten, zum Wohle Mexikos", schrieb Peña Nieto. "Die Souveränität, das nationale Interesse und der Schutz der Mexikaner werden die Beziehungen zu der neuen US-Regierung bestimmen."
Papst Franziskus verband seine Gratulation an Trump mit mahnenden Worten. "In einer Zeit, in der unsere menschliche Familie heimgesucht wird von schweren humanitären Krisen, die weitsichtige und gemeinschaftliche politische Antworten brauchen, bete ich dafür, dass Ihre Entscheidungen von den reichen spirituellen und ethischen Werten geleitet sein werden, die die Geschichte des amerikanischen Volkes und die Verpflichtung Ihrer Nation zur Förderung der Menschenwürde und der Freiheit weltweit geprägt haben", heißt es in einer Mitteilung an Trump vom Freitag. Franziskus hoffe, dass auch unter Trumps Führung die Bedürfnisse der Armen, Ausgeschlossenen und Bedürftigen berücksichtigt würden.
Chinas Regierung fürchtet Handelskrieg
Chinas Staatsmedien wiederholten nach Trumps "America first"-Rede Präsident Xi Jinpings Warnung vor einem Handelskrieg. Würden Trumps
Protektionismus-Pläne
in die Realität umgesetzt, werde das zu "globalen
Tumulten" führen, schrieb die englischsprachige China Daily am Samstag. Trumps augenscheinlicher Nationalismus könne "leicht nach hinten losgehen"; nun sei es die Aufgabe von China und anderen Nationen, der neuen Regierung die
Vorteile einer "aktualisierten und wünschenswerten" Version der
Globalisierung zu verdeutlichen.
Darüber hinaus warnte die Zeitung Trump
davor, das "Ein-China-Prinzip" weiter infrage zu stellen und zu
versuchen, in Verhandlungen die "Taiwan-Karte" zu spielen. Trumps Telefonat mit der Staatschefin Taiwans hatte die chinesische Regierung zuvor verärgert; sie sieht die Insel als "abtrünnige Provinz".
"Dramatische Veränderungen" fürchtet auch die parteinahe Global Times; Trump werde überall und auch vor der eigenen Haustür "Brände" legen. "Warten wir ab, wann China an der Reihe ist."
Kommentare
Gabriel hat vollkommen Recht!
Die Rede war eine Kampfansage an die Welt, den Rechtsstaat in den USA und alle, die sich nicht seiner Ideologie des chauvinistischen Nationalismus anschließen wollen.
Ich bin great, wir sind great, ich bin great...
Spannend wird das erst, wenn die Jubelchöre wegfallen.
"Das waren heute hoch nationalistische Töne", sagte der SPD-Chef im ZDF."
Das mag sein. Aber es ist halt nicht jeder so dumm wie die Deutschen und meint das man alles nationale ablehnen sollte.
"Glaube niemals an fremde Hilfe, niemals an Hilfe, die außerhalb unserer eigenen Nation, unseres eigenen Volkes liegt. In uns selbst allein liegt die Zukunft des deutschen Volkes. Wenn wir selbst dieses deutsche Volk emporführen zu eigener Arbeit, zu eigenem Fleiß, eigener Entschlossenheit, eigenem Trotz, eigener Beharrlichkeit, dann werden wir wieder emporsteigen, genau wie die Väter einst Deutschland nicht geschenkt erhielten, sondern selbst sich schaffen mussten." - aus seiner ersten Rede als Reichskanzler im Berliner Sportpalast, 10. Februar 1933
Einmal mehr als Trump gezeigt, dass nichts konservatives an ihm ist.
Er ist ein hoffnungsloses Populist.
Es ist das gute Recht der US-Amerikaner, dass sie einen Populisten als Präsidenten gewählt haben, schließlich sind die USA eine Demokratie. Ob die Wahl gut oder schlecht war, das werden wir sehen.
" Nigel Farage, lobte die Rede als "sehr stark".
So so. Jetzt treffen sich die Brüder im Geiste.
Hach ich freue mich schon auf die Verhandlungen zwischen UK und den USA bzgl. Handelsabkommen.
Die Amerikaner werden unter Trump ja bekanntlich die besten Deals ever machen. Amerika first oder nichts. Und die Briten wollen natürlich absolut souverän bleiben. Das wird ein Spaß.