Die Russen waren von Donald Trump schon verzückt, lange bevor er Kandidat wurde und dann die Präsidentschaftswahlen gewann. Schaut man in die Datenbank der in Russland registrierten juristischer Personen, findet man dort 257 Firmen, in deren Namen das Wort "Trump" vorkommt. Natürlich steht keine dieser Firmen in Verbindung mit dem echten Donald Trump – im gleichen Register juristischer Personen finden sich auch Firmen, die nach Obama oder Clinton benannt sind –, auch wenn allzu empfindsame Opponenten des gewählten US-Präsidenten diese Angaben als angebliche Belege für Trumps Verbindungen nach Russland anführen.

Alexej Kowaljow ist ein Journalist in Moskau. Er entwickelt derzeit das Anti-Fake-News-Projekt Noodleremover, auf Russisch Lapschesnimalotschnaja. © Maja Kucova

Für Donald Trump sind sämtliche Versuche, in 30 Jahren Reisen und Verhandlungen zunächst in der UdSSR und dann in Russland geschäftlich Fuß zu fassen, gescheitert. Moskau hat keinen eigenen Trump Tower bekommen, obwohl Trump jedes Mal prahlte, dass er sich mit den allerwichtigsten Leuten getroffen habe und ganz kurz davorstehe, Hunderte Millionen in ein Projekt zu investieren, das ganz zweifellos erfolgreich sein würde.

Trumps größter Geschäftserfolg in Russland bestand in der Präsentation eines Trump Vodka auf der Millionaire Fair 2007 in Moskau. Auch dieses Projekt war ein Reinfall; 2009 wurde der Verkauf von Trump Vodka eingestellt.

Der Polittechnologe und schrille TV-Produzent Konstantin Rykow hatte nach Trumps Ankündigung, bei den Präsidentschaftswahlen kandidieren zu wollen, einen programmatischen Artikel in der Onlinezeitung Wsgljad geschrieben. Darin spricht er vom "Phänomen Trump": Der habe keine Angst, die Wahrheit über die aktuellen Probleme in Amerika auszusprechen, er sei sagenhaft reich und deshalb nicht – wie andere Politiker – von launischen Unternehmensspenden abhängig. Außerdem stelle Trump eine Alternative zu dem dar, was den USA und der ganzen Welt vom korrupten Establishment aufgenötigt werde. Trump sei, so Rykow, ein Mann der Tat; er könne "Hunderte erfolgreicher Projekte in unterschiedlichen Bereichen" vorweisen. Dass diese Projekte oft aufsehenerregend scheiterten, verschweigt Rykow.

Obwohl Rykow selbst jahrelang lauthals den russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Politik unterstützt und seine Gegner in ätzenden Tweets runtergemacht hat, bevor er auf eine ebenso aktive öffentliche Unterstützung Trumps umschaltete, sollten seine Worte nicht allzu ernst genommen werden oder gar als Beweis dafür, dass der Kreml Trump unterstützt.

Hier liegt der fundamentale Fehler, den westliche Beobachter machen, wenn sie versuchen, äußerliche, mit bloßem Auge erkennbare Dinge zu analysieren.

Nie würde der Kreml Schirinowskij vorschicken

Der Anfang Januar erschienene Bericht der amerikanischen Geheimdienste über die Einmischung Russlands in die US-Wahlen ist nicht zuletzt deshalb von Russen verlacht worden, weil unter den "Propagandaaktivitäten Russlands" auch der Name Wladimir Schirinowskijs erwähnt wurde, der angekündigt hatte, im Falle eines Wahlsieges von Trump Champagner trinken zu wollen.

Ein derart tückischer Plan – die Wahl eines Präsidenten der USA mithilfe von Schirinowskij zu erreichen – sorgt bei jedem Russen bestenfalls für ein skeptisches Lächeln. Schirinowskij ist ein Urgestein der russischen Politik. Er ist schon 70 und steht seit fast 30 Jahren an der Spitze einer Partei mit irreführendem Namen: Die Liberal-demokratische Partei ist weder liberal, noch demokratisch. Wenn sich deren Politik irgendwie charakterisieren lässt, dann als Rechtspopulismus. Schirinowskij ist für schrille Aussagen bekannt; er drohte beispielsweise einmal damit, die USA mithilfe von "Gravitationswaffen" zu vernichten.

Wenn also der Kreml tatsächlich den tückischen Plan gehabt haben sollte, Trump zur Macht zu verhelfen, hätte man diesen wohl kaum ausgerechnet über Schirinowskij bekannt gegeben.

Zur Not hilft Sarkasmus

Putin selbst hat sich während des US-amerikanischen Wahlkampfes nur sehr selten und vorsichtig zu Trump geäußert. Wenn man sich die Reaktionen der obersten Funktionäre und der staatlichen Propagandasender aufmerksam anschaut, sieht man, dass Trumps Sieg für sie genauso ein Schock war wie für den Rest der Welt. Viele westliche Zeitungen schrieben, dass die russische Staatsduma (das Unterhaus des Parlaments, das wichtigste gesetzgebende Organ) die Nachricht vom Wahlsieg Trumps mit stehenden Ovationen gefeiert habe. Sieht man sich jedoch eine Aufnahme der Sitzung an, wird deutlich, dass nichts dergleichen geschehen ist. "Ovationen", das sind einige Sekunden nervösen Klatschens; und die Worte des Abgeordneten Wjatscheslaw Nikonow, der die Sitzung am Tag nach der Wahl eröffnete, "da gratuliere ich Ihnen allen", klingen auf Russisch nach reinem Sarkasmus.

In einer ähnlichen Lage waren auch die wichtigsten russischen Propagandasendungen im Fernsehen, das in Russland traditionell ganz und gar vom Staat kontrolliert wird, im Unterschied zum noch relativ freien Internet und dem Zeitungsmarkt. Einige Wochen vor der US-Wahl nahmen in den Nachrichten die Wahlen in den USA mehr Sendezeit ein als die Wahlen in Russland (im September 2016 wurde die Duma neu gewählt). Die Moderatoren waren derart von einem Sieg Clintons überzeugt, dass sie vorab schon vorbereitet waren, die Wahl als illegitim zu erklären. In einer Sendung wurden Clinton und Trump gleichermaßen als Übel für Russland bezeichnet, nach dem Motto: Von Amerika ist nichts Gutes zu erwarten, egal wer die Wahl gewinnt.