Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat zwei weitere Bauwerke in der syrischen Oasenstadt Palmyra zerstört. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete, dass die Fassade des als Unesco-Weltkulturerbe eingetragenen Amphitheaters beschädigt wurde. Auch sei das Tetrapylon, ein antikes Säulenmonument, zerstört worden.

Der Direktor der syrischen Antikensammlung, Maamun Abdulkarim, sagte, die Schäden seien durch Satellitenbilder belegt. Auch Beobachter der Opposition bestätigten die Angaben. Von den 16 Säulen des römischen Bauwerks sei allerdings nur eine ein Original, sagte Andreas Schmidt-Colinet, Professor für Archäologie an der Universität Wien. Der Rest sei in den 1960er Jahren rekonstruiert worden.

Der IS hatte die Stadt in Zentralsyrien, aus der er neun Monate zuvor von einer von Russland unterstützten Regierungsoffensive vertrieben worden war, im Dezember ein zweites Mal erobert. Russland hatte seine Rolle nach der zwischenzeitlichen Eroberung mit einem Sinfoniekonzert in Palmyras Amphitheater demonstrativ herausgestellt. Für den Auftritt war das Orchester des St. Petersburger Mariinski-Theaters eingeflogen worden.

Immer wieder Hinrichtungen

Die Terrormiliz nutzt das Amphitheater immer wieder für Hinrichtungen. Im August 2015 etwa wurde der frühere Chefarchäologe der Stadt, Khalid Asaad, an dem Ort ermordet. In dieser Woche meldeten Aktivisten, der IS habe dort zwölf Gefangene getötet.

Bereits während ihrer ersten Herrschaft hatten die Extremisten zahlreiche einzigartige rund 2.000 Jahre alte Bauwerke gesprengt, darunter den Baaltempel und den Triumphbogen. Auch ein Teil der berühmten Säulenstraße wurde zerstört. Nach Angaben der Unesco wurden "die meisten Statuen und Sarkophage verunstaltet" oder zerschlagen, doch blieb die historische Stätte "zum größten Teil in ihrer Einheit und in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten". Der IS hat auch im Irak bereits mehrere antike Stätten zerstört. Aus Palmyra hatten zuletzt Reporter der ZEIT berichtet.

Der IS hat in Syrien mehrere Niederlagen erlitten, kontrolliert im Norden und Osten aber weiter große Gebiete. Regierungsanhänger versuchen derzeit, Palmyra wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Nach Angaben von Beobachtern gab es in der Nähe der Stadt in dieser Woche heftige Kämpfe. Dabei sollen auf beiden Seiten zahlreiche Menschen getötet worden sein.