Tunesien will härter gegen islamistische Kämpfer aus dem eigenen Land vorgehen. Rückkehrer aus Kriegsgebieten sollen sofort nach ihrer Ankunft festgenommen oder überwacht werden. "Wenn ein Terrorist zurückkommt, wird er verhaftet und unter den geltenden Antiterrorgesetzen verfolgt", sagte Ministerpräsident Youssef Chahed der Deutschen Presse-Agentur.

Der Regierung lägen Listen mit Namen derjenigen vor, die sich im Ausland der Terrorgruppe "Islamischer Staat" angeschlossen hätten. Zur Zeit kämpften 2.900 Tunesier in Syrien oder dem Irak aufseiten von Dschihadisten. Amerikanische Beobachter gehen allerdings von weit höheren Zahlen aus. Sie rechnen mit bis zu 7.000 tunesischen Kämpfern.

Fall Amri: "Das lief ideal"

Auch der mutmaßliche Attentäter von Berlin, Anis Amri, kam aus Tunesien. "Man muss unterscheiden zwischen Terroristen und denjenigen, die ohne Papiere Tunesien verlassen haben und abgeschoben werden sollen", sagte Chahed. Im Falle Amris habe sich Tunesien an die üblichen Prozeduren und Absprachen gehalten. "Wir haben in diesem Fall wie üblich kooperiert, das lief ideal." Es hätten keinerlei Erkenntnisse über eine Radikalisierung von Amri vorgelegen. "Er hat sich in Europa radikalisiert."

Amris Asylantrag in Deutschland war im Sommer abgelehnt worden. Er konnte jedoch zunächst nicht abgeschoben werden, weil die tunesischen Behörden keine Ersatzpapiere für ihn ausstellten. Diese Dokumente erreichten die Ausländerbehörde in Nordrhein-Westfalen erst zwei Tage nach dem Attentat.

Auf das gleiche Problem waren ein Jahr zuvor italienische Behörden gestoßen. Auch sie hatten Amri nach einer vierjährigen Gefängnisstrafe nach Tunesien abschieben wollen. Doch die tunesischen Behörden hatten Amri nicht als eigenen Staatsbürger anerkannt und abgelehnt, ihn einreisen zu lassen.