Sie sind die sieben Samurai der französischen Sozialisten. Wie die japanischen Schwertkämpfer in Akio Kurosawas berühmten Film Die sieben Samurai, die ein armes Bauerndorf gegen Banditen verteidigen, wollen sie in alter Kampftradition Frankreichs arme Leute gegen die modernen Banditen des Kapitals verteidigen. Sie, das sind die sieben Kandidaten für die "Vorwahlen der Linken", die sich am Donnertagabend mit ihrer ersten Fernsehdebatte der Öffentlichkeit stellten. Ihre alte Kampftradition, das ist die Sozialistische Partei von Präsident François Hollande, der vier der Kandidaten angehören. Die anderen drei chancenlosen Zählkandidaten führen Gruppierungen in deren Umfeld an.

Die Sozialistische Partei ist das große Erbe von François Mitterrands, der sie 1971 gründete und der ihr erster Präsident wurde. Heute geht es um ihr Überleben. So wie es in Kurosawas Werk um das Überleben der Kampfkunst der Samurai geht. Ist ihre hehre Moral noch gefragt? Lohnt die Selbstaufgabe für die große Sache noch? Das fragen sich heute auch Frankreichs Sozialisten. Darauf müssen die sieben Kandidaten eine Antwort geben, wenn sie ihre Partei noch einmal zum Mitfavoriten bei den Präsidentschaftswahlen im April und Mai machen wollen.

Dabei spielt es gar keine Rolle, dass unter ihnen keine großen Namen sind. Wenn die Sieben nur mit ihrem Auftreten und ihren Argumenten zeigen, dass die Linke in Frankreich noch Antworten auf die drängenden Fragen haben. Das gelang bei den Vorwahlen der Rechten im November. Ihr Sieger, François Fillon, trug zuvor den Spitznamen "Mister Nobody". Heute ist er großer Favorit. Gelingt das Kunststück nun auch den Sozialisten?

Wenig spricht nach der ersten TV-Kandidatendebatte dafür.

Der Bekannteste unter den Sieben ist der vor ein paar Wochen zurückgetretene Premierminister Manuel Valls. Er gilt als Rechtsaußen der Partei und innenpolitischer Scharfmacher. Die Terrorismusbekämpfung ist sein großes Thema, die Wirtschaft eher seine schwache Seite. In der Debatte sprach er von seinem "Stolz" über seine zweijährige Regierungszeit unter Präsident Hollande – und ging damit hohes Risiko ein. Denn Hollande ist der große Abwesende der Vorwahlen der Linken. Sie waren eigentlich als seine Inthronisierung für eine zweite Amtszeit geplant. Doch Hollande ist so unbeliebt, dass er im Dezember auf eine erneute Kandidatur verzichtete. Die Umfragen gaben ihm keinerlei Wiederwahlchancen.

Da ist es eigentlich vielversprechender, sich auch als Sozialist gegen die Bilanz des eigenen Präsidenten zu stellen und sich von ihm zu distanzieren. Das taten die Gegenspieler von Valls. Allen voran der ehemalige Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg, der Hollandes Regierung vor zweieinhalb Jahren im Streit verließ.

Montebourg erschien nach der Debatte als Favorit. Umfragen vom gleichen Abend sahen ihn als Sieger der Diskussion. Das lag an seinem geradlinigen Auftreten. Er verteidigte ein altes, keynesianistisches Wirtschaftskonzept, das den Vorteil hat, klipp und klar und in der Tradition der Sozialisten zu stehen: Mehrausgaben des Staates. Neuausbildung für jeden Arbeitslosen. Ende des europäischen Stabilitätspaktes. Dann käme das Wachstum zurück. "Ich wollte für die einfachen Leute sprechen und den Franzosen sagen, was mir am Herzen liegt", sagte Montebourg nach der Debatte. Das gelang ihm redlich.

Sieben Kandidaten mit sieben Programmen

Neben Valls und Montebourg kann sich auch der Partei-Linksaußen Benoît Hamon noch Chancen bei den Vorwahlen ausrechnen. Er ist der einzig wahrnehmbare Parteiintellektuelle, spricht die Grenzen des Wachstums und Umweltprobleme an, fordert ein Basis-Einkommen für alle, sieht die großen Probleme Europas. Als einziger verwies er am Donnerstag auf die Bedrohung Europas durch das expandierende Russland von Wladimir Putin und forderte einen Anstieg der französischen Verteidigungsausgaben auf drei Prozent des Bruttosozialprodukts. Doch niemand folgte ihm. Auch nicht die Fernsehjournalisten. Alle wollten lieber bei sich in Frankreich bleiben.

So aber wird man das Überleben der Sozialisten wohl nicht retten. Die Partei müsste sich ein breiteres Weltbild geben, das auch die außenpolitischen Herausforderungen umfasst. Stattdessen scheint es, als träten nun sieben Kandidaten mit ihren jeweils hastig zusammengezimmerten Programmen an. Was sie bei der Debatte am Donnerstag einte, war der gemeinsame Einsatz für die staatliche Krankenversicherung, die Fillon, der eigentliche Gegner, zu Teilen privatisieren will. Doch viel mehr kam nicht.

Kurosawas Film hat kein Happy End. Das Bauerndorf überlebt, aber vier Samurai sterben, ihr überlebender Anführer sieht seine Kunst am Ende ihrer Zeit angekommen. So sieht es derzeit auch in Frankreich aus. Das Land wird überleben, die vier führenden sozialistischen Kandidaten werden es voraussichtlich im Wahlkampf nicht.