In seinem letzten Interview als Präsident hat Barack Obama eine Reihe außenpolitischer Entscheidungen verteidigt, die er in den vergangenen Jahren getroffen hat. So rechtfertigte er die Entscheidung von Ende 2015, eine UN-Resolution gegen die israelische Siedlungspolitik nicht per Veto zu blockieren. Der Ausbau der Siedlungen sei so erheblich geworden, dass er die Chance auf einen "effektiven, benachbarten palästinensischen Staat" schmälere, sagte Obama dem US-Sender CBS.

Den Vorwurf, dass die Stimmenenthaltung beim UN-Votum im Dezember einen "massiven Bruch" in den Beziehungen zwischen den USA und Israel markiere, wies er zurück. "Wegen unserer Investition in die Region, und weil uns Israel äußerst wichtig ist, haben die USA ein legitimes Interesse daran, einem Freund zu sagen: 'Da gibt es ein Problem'", sagte er.

Die Frage, ob er seine Syrienpolitik bereue, vor allem seine umstrittene Drohung mit einem Militäreinsatz beim Einsatz von Chemiewaffen, verneinte Obama. "Ich bedauere in keiner Weise, dass ich gesagt habe, es würde meine Bewertung dessen ändern, was wir bereit wären in Syrien zu tun oder nicht zu tun", entgegnete er seinen Kritikern, die ihm vorwerfen, die Drohung stehe symbolisch für das Versagen der USA im Syrien-Krieg. Denn trotz des inzwischen nachgewiesenen Einsatzes von Chlorgas – in der Nähe von Damaskus sollen so fast 1.500 Menschen getötet worden sein – ließ Obama seinen Worten von einer "roten Linie" keine Taten folgen. "Ich denke, es wäre ein größerer Fehler gewesen, wenn ich gesagt hätte: 'Wie, Chemiewaffen. Das ändert nicht wirklich mein Kalkül.'" Letztlich habe Assad in der Folge seine Chemiewaffen ja doch beseitigen müssen.

Der scheidende US-Präsident forderte in dem Interview seinen republikanischen Nachfolger Donald Trump, dessen Partei und Anhänger zur Achtung des politischen Regelwerks auf. Sie alle müssten darauf achten, dass "bestimmte Normen, bestimmte institutionelle Traditionen nicht ausgehöhlt" werden, sagte Obama. Der Fokus müsse darauf liegen, "unsere Demokratie gesund zu halten und sicherzustellen, dass wir den Sinn für Solidarität aufrechterhalten." Dies habe er Trump auch persönlich gesagt.

Angesprochen auf die Schlagzeilen der vergangenen Wochen, dominiert von Trumps Ausfällen gegenüber den Geheimdiensten und Medien, von seiner umstrittenen Pressekonferenz und den Berichten über das angeblich kompromittierende Material, das der russische Geheimdienst über ihn gesammelt haben soll – angesprochen auf all diese Schlagzeilen antwortete Obama: "Jeder muss doch zustimmen, dass man diesen Kerl nicht unterschätzen sollte, schließlich wird er der 45. Präsident der Vereinigten Staaten." Zugleich zeigte sich der scheidende Präsident "verstört" über die jüngsten Geheimdienstberichte über russische Hackerangriffe im US-Wahlkampf und die kritischen Reaktionen in den USA. In einigen Kreisen gebe es Menschen, die Präsident Wladimir Putin für glaubwürdiger hielten als die US-Regierung, sagte er.