Donald Trump und Benjamin Netanjahu wollten gar nicht mehr aufhören mit dem Händeschütteln, die Herzlichkeit zwischen den beiden Männern schäumte nur so über, als sie am Mittwoch im Weißen Haus vor die Presse traten. Und auch während ihrer knapp 30-minütigen Plauderstunde betonten sie immer wieder ihre besondere Beziehung. Schon sehr, sehr lange kenne und schätze er seinen Freund "Bibi", meinte Trump, während Netanjahu beseelt mit dem Kopf nickte.

Amerika und Israel rücken nach den angespannten Jahren der Obama-Ära wieder zusammen, diese Botschaft war unmissverständlich. Trump sagte, er und Netanjahu könnten gemeinsam einen riesigen "Friedensdeal" im Nahen Osten erzielen, Netanjahu entgegnete, vom neuen Präsidenten "ausgesprochen positive" Signale zu erhalten, dass man im Nahen Osten an einem Strang ziehe.

Wie der "Riesendeal" im Nahen Osten aussehen soll, bleibt freilich vorerst noch ein Geheimnis, zumal Trump und Netanjahu ihre Pressekonferenz unkonventionell vor anstatt erst nach ihrem Vieraugen-Gespräch abhielten. Allein, dass der Deal eine Partnerschaft vieler Staaten der Region beinhalten soll, ließ man durchblicken – was sich nicht zuletzt durch die diplomatischen Aktivitäten von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner in den vergangenen Wochen bereits abzeichnete. Kushner hatte bei den Vereinigten Arabischen Emiraten und bei König Abdullah von Jordanien vorgesprochen.

Ein Bruch mit jahrzehntelanger US-Außenpolitik

Beobachter sehen Kushners Tätigkeit als Zeichen einer "Outside-In"-Strategie – eine, bei der Israel für sein Vorgehen im Konflikt mit den Palästinensern bei jedem Schritt den Konsens der arabischen Länder in der Region sucht. "Wir haben eine historische Chance", sagte dann auch Netanjahu. "Zum ersten Mal sehen andere Staaten in der Region Israel nicht als Feind, sondern als Partner." Bei der Stärkung dieser Partnerschaft soll der "Deal-Macher" Trump eine entscheidende Rolle spielen.

Beim Auftritt vor der Presse bestätigte Trump allerdings lediglich, dass die USA Israel "bei jedem Schritt zur Seite stehen". Ansonsten blieb er gewohnt vage. Als er darauf angesprochen wurde, ob er eine Ein- oder Zweistaaten-Lösung befürworte, sagte er, das werde er den verhandelnden Parteien überlassen. Immerhin schloss er damit anders als seine Vorgänger eine Einstaaten-Lösung nicht mehr aus. Die beiläufige Bemerkung kam einem Bruch mit Jahrzehnten amerikanischer Außenpolitik gleich.

Gefahr durch einen palästinensischen Failed State

Netanjahu wich seinerseits der Frage nach der Ein-oder Zweistaatenlösung aus. "Ich möchte nicht über Labels reden", meinte er, "sondern über Inhalte." Dann wiederholte er seine seit Jahren genannten Bedingungen für eine dauerhafte Friedenslösung: Volle "Sicherheitskontrolle" Israels über die besetzten Gebiete sowie eine volle Anerkennung des Existenzrechtes Israels durch die Palästinenser. Israels Premier Netanjahu fühlt sich endlich wieder von den USA verstanden. Dabei lässt Gastgeber Trump offen, wie der "Riesendeal" für den Nahen Osten aussehen soll. Und um seine unnachgiebige Haltung zu rechtfertigen, malte Netanjahu dem amerikanischen Publikum den Worst Case aus: Dass ein palästinensischer Staat sich nämlich zu einem weiteren Failed State in der Region entwickelt, in dem der islamistische Terror Wurzeln schlagen kann.

Überhaupt betonte Netanjahu immer wieder den "militanten Islam", wie er den islamistischen Terror nannte, als die größte Gefahr für Sicherheit und Stabilität unserer Zeit. In Donald Trump, so der Subtext dieser Ausführungen, habe er nun endlich einen Partner in Washington, der diese Gefahr wirklich versteht und ernst nimmt. Trotzdem wollte Netanjahu sichergehen, dass man in den USA wirklich versteht, wie sehr er sich bedroht fühlt. Deshalb betonte er auch erneut, er glaube, der Iran wolle nicht "eine Atombombe" bauen, sondern ein ganzes "nukleares Arsenal", mit dem es nicht nur jedes Land der Region, sondern in der ganzen Welt bedrohen könne.

Keine definitive Abkehr vom Iran-Abkommen

Trump nickte bei diesen Ausführungen wohlwollend mit dem Kopf und nannte danach, wie schon bei zahllosen Gelegenheiten während des Wahlkampfes, das Abkommen der Obama-Regierung mit dem Iran den "schlechtesten Deal aller Zeiten". Außerdem gelobte er, "mehr als je zuvor dagegen zu tun, dass Iran jemals eine Atomwaffe baut." Eine Zusage zu einem Ausstieg aus dem Abkommen mochte Trump Netanjahu allerdings auch nicht geben. Erst in der vergangenen Woche hatte sein eigener Verteidigungsminister James Mattis ihn vor einem solch drastischen Schritt gewarnt.

Das trübte jedoch den Eindruck nur wenig, den die beiden Männer erweckten. Trump und Netanjahu sind Brüder im Geiste. Der Rest sind diplomatische Details.