Indigene Völker aus den USA haben vor Gericht den sofortigen Stopp des Baus der umstrittenen Dakota Access Pipeline beantragt. Das von US-Präsident Donald Trump wiederbelebte Projekt im Norden des Landes verstoße gegen ihre Verfassungsrechte, führten die Mitglieder vom Stamm der Cheyenne River Sioux in ihrem Antrag an. Am Donnerstag waren die Bauarbeiten an der Pipeline wieder aufgenommen worden. Am letzten Teilabschnitt unter dem Oahe-Stausee am Fluss Mississippi werde wieder gebaut, sagte eine Sprecherin der zuständigen Firma Energy Transfers. Die Pipeline könne demnach binnen drei Monaten in Betrieb genommen werden. 

Mehrere Monate lang waren die abschließenden Bauarbeiten an dem insgesamt 3,8 Milliarden Dollar (rund 3,5 Milliarden Euro) teuren Projekt unterbrochen worden, weil der vor Ort ansässige Stamm der Standing Rock Sioux gemeinsam mit Unterstützern und Umweltaktivisten aus dem ganzen Land protestiert hatte. Die Dakota Access Pipeline entweihe die Gewässer, in denen der Stamm seine "wichtigsten religiösen Gebräuche" praktiziere, argumentierten die Sioux.

Auch der Stamm aus dem Reservat Standing Rock kündigte an, rechtliche Schritte einzuleiten und weiter zu demonstrieren. Weitere Klagen gegen das Bauvorhaben sind noch anhängig. Bundesrichter James Boasberg kündigte an, erst am kommenden Montag Argumente bei einer Anhörung entgegenzunehmen. Der Stamm der Cheyenne River Sioux hatte Boasberg zuvor gebeten, die Bauarbeiten zu stoppen, solange eine früher eingereichte Klage der Standing Rock Sioux noch in Bearbeitung sei.

Trump stoppte Umweltstudie

Im vergangenen Jahr war es bei Demonstrationen gegen die Pipeline immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Polizisten und Tausenden Demonstranten gekommen, die nahe der Baustelle ein Lager errichtet hatten. Mehrere Personen wurden verletzt, es gab zahlreiche Festnahmen. Schließlich wurde noch unter Ex-Präsident Barack Obama eine neue Prüfung des Routenverlaufs angeordnet.

Der neue US-Präsident Donald Trump forderte den Korps der Armee-Ingenieure kurz nach seinem Amtsantritt in einem Dekret auf, den Weiterbau schneller voranzutreiben. Die eigentlich auf zwei Jahre angesetzte Umweltstudie wurde gestoppt, und Energy Transfers bekam am Mittwoch die Freigabe für den Weiterbau. Unmittelbar danach wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen, wie Energy-Transfers-Sprecherin Vicki Granado sagte. Ihrer Schätzung nach soll die Pipeline binnen 60 Tagen fertiggestellt sein und dann innerhalb von 23 Tagen befüllt und in Betrieb genommen werden. Trump hatte noch als Unternehmer in die Firma investiert.

Die Mitglieder der Sioux-Stämme und ihre Unterstützer befürchteten unter anderem, dass ihr Trinkwasser durch ein mögliches Leck der Pipeline verschmutzt werden könnte. Die Baufirma betonte hingegen, die Leitung sei sicher. Die insgesamt fast 2.000 Kilometer lange Pipeline soll Öl aus North Dakota durch mehrere US-Staaten bis nach Illinois bringen, wo es dann verschifft wird.