In den USA haben Sicherheitskräfte bei Razzien in sechs Bundesstaaten Hunderte illegale Einwanderer festgenommen. Das berichtet die Washington Post unter Berufung auf die nationale Polizei- und Zollbehörde (ICE). Die Behörde bezeichnete die Maßnahmen als Routine – das mexikanische Außenministerium sprach hingegen von einer "neuen Realität" für die Einwanderergemeinden, nachdem eine seit 21 Jahren in den USA lebende Immigrantin ohne Aufenthaltserlaubnis am Mittwoch nach Mexiko abgeschoben worden war.

Von Montag bis Freitag durchsuchten Sicherheitskräfte Wohnungen und Arbeitsplätze in Atlanta, Chicago, New York, der Umgebung von Los Angeles, North Carolina und South Carolina, berichtet die Washington Post. Dabei seien nicht nur illegale Einwanderer mit einer kriminellen Vergangenheit festgenommen worden, sondern auch solche, die der Polizei bislang nicht oder nur wegen kleiner Verstöße aufgefallen sind. Vielen Festgenommenen droht nun die Abschiebung. Unter Präsident Barack Obama hatten sich derartige Razzien auf Immigranten mit Vorstrafen beschränkt.

Der seit einem knappen Monat amtierende Präsident Donald Trump will härter als sein Vorgänger gegen illegale Einwanderer vorgehen. Schätzungen zufolge leben etwa elf Millionen Menschen ohne die nötigen Dokumente in den USA. Ende Januar hatte Trump ein Dekret unterzeichnet, demnach Behörden verstärkt solche illegalen Einwanderer abschieben sollen, die nur geringe oder keine Gesetzesverstöße begangen haben. Vor diesem Hintergrund sehen Aktivisten die aktuellen Razzien als erste erkennbare Umsetzung der neuen Regeln.

"Dies ist offensichtlich die erste Welle von Attacken unter der Trump-Administration und wir wissen, dass es nicht die einzige sein wird", sagte Cristina Jiménez laut Washington Post. Jiménez ist Geschäftsführerin von United We Dream, einer Organisation, die sich für Kinder und Jugendliche in Einwandererfamilien einsetzt. 

Der Post zufolge gibt es Berichte, dass nicht nur in den sechs von den Behörden genannten Bundesstaaten Razzien stattgefunden hätten. Auch in Florida, Kansas, Texas und Northern Virginia hätten Beamte Häuser durchsucht. Derartige Meldungen verbreiteten sich in sozialen Medien und lösten bei Einwandererfamilien in ganz Amerika Angst aus, abgeschoben zu werden, obwohl sie keine Gesetze gebrochen haben. Die New York Times schreibt etwa von Restaurantarbeitern in Georgia, die sich nicht trauen, zu Fuß nach Hause zu gehen – aus Angst, angehalten und befragt zu werden. Stattdessen würden sie Kollegen bitten, sie mit dem Auto mitzunehmen.

Mexiko empfiehlt Einwanderern, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen

Auch die mexikanische Regierung reagierte. In einem Statement empfahl das Außenministerium Mexikanern, die in den USA leben, Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, und bezeichnete die Lage als "neue Realität" für die Einwanderergemeinden in Nordamerika. Mexikaner in den USA sollten sich über aktuelle Entwicklungen in Einwandererthemen informieren und den Kontakt mit mexikanischen Auslandsvertretungen halten, teilte das Ministerium mit. 

Im Statement wird diese Einschätzung mit dem Fall einer Mexikanerin begründet. Die seit 21 Jahren in den USA lebende Mutter von zwei in den USA geborenen Kindern sollte schon unter Obama abgeschoben werden. Damals wurde ihr aber erlaubt, im Land zu bleiben, wenn sie sich regelmäßig bei den Behörden meldete. Als sie am vergangenen Mittwoch zu ihrem jährlichen Termin bei der Einwandererbehörde ging, wurde ihr ohne Vorwarnung mitgeteilt, dass sie nach Mexiko abgeschoben werde.

"Wir leben in einer neuen Zeit, einer Zeit des Krieges gegen Immigranten", zitiert die New York Times den Anwalt der Frau. Dem widerspricht allerdings die Polizeibehörde ICE, deren Mitarbeiter für die Durchsuchungen und Abschiebungen verantwortlich sind. Die Razzien in der vergangenen Woche seien bloß "Routine" gewesen, wie sie auch unter Obama stattgefunden hätten, teilte die Behörde laut Medienberichten mit. Dabei seien Einwanderer ohne gültige Papiere von Dutzenden lateinamerikanischen Staaten gefunden worden. "Wir sprechen über Menschen, die eine Bedrohung für die öffentliche Sicherheit oder die Integrität des Einwanderersystems sind", zitiert die Washington Post eine Sprecherin vom Heimatschutzministerium, das ICE vorsteht. Die meisten der Festgenommenen seien schwer kriminelle Einwanderer.