Wer sich auf die Suche nach den größten Trump-Fans in Europa macht, der wird in Prag schnell fündig. Der tschechische Staatschef Miloš Zeman pflegt nicht nur eine ähnliche Vulgärsprache wie der US-Präsident. Als er die Mitglieder der oppositionellen russischen Punkband Pussy Riot einst als "Nutten" bezeichnete, da war dies auch ein Statement an einen Adressaten in Moskau. Zeman hält sich viel darauf zu Gute, ein harmonisches Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin entwickelt zu haben, wie es auch Trump anstrebt.

Geradezu begeistert ist Zeman, der mit 72 Jahren derselben Generation angehört wie Trump (70), von der antimuslimischen Attitüde des US-Präsidenten. Das inzwischen ausgesetzte Einreiseverbot für Bürger aus sieben islamisch geprägten Staaten wertete Zemans Sprecher als bewundernswerten Versuch, das eigene Land zu beschützen. Dies sei "genau das, was Europas Eliten nicht tun", twitterte er. Seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 macht der selbsternannte Linke und praktizierende Populist Zeman mit antimuslimischen Parolen Politik. So forderte er eine "Deportation von Wirtschaftsflüchtlingen" und warnte vor einer "Invasion", die von Islamisten im Nahen Osten gesteuert werde. Doch nicht nur in Tschechien fällt diese Art von Trumpismus auf fruchtbaren Boden. In fast allen Staaten des östlichen Mitteleuropas breiten sich Populismus und Nationalismus aus.

In Ungarn verankerte Ministerpräsident Viktor Orbán schon 2011 ein magyarisches Glaubensbekenntnis in der Verfassung und setzt sich seit dem Krisensommer 2015 für eine extrem restriktive Migrationspolitik ein. Fast parallel dazu wählte eine große Mehrheit der Polen die rechtsnationale, katholisch-fundamentalkonservative PiS-Partei des Orbán-Freundes Jarosław Kaczyński an die Macht. In der Slowakei wiederum bekennt sich der nominell sozialdemokratische Premier Robert Fico zu eine "sozial-nationalistischen" Politik des Paternalismus.

Visegrád-Gruppe

Durch den Trump-Triumph in den USA sehen sich die Staats- und Regierungschefs der Visegrád-Gruppe (V 4) im Gefüge der EU nun im Vorteil. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag nach Warschau reist, will Kaczyński mit ihr Tacheles reden, wie er bereits lautstark angekündigt hat. Dabei ist der Vorgang an sich bezeichnend: Der PiS-Chef hat kein Regierungsamt inne, bestimmt aber aus dem parteiinternen Hinterzimmer heraus die Richtlinien der polnischen Politik. Dennoch sucht Merkel das Gespräch mit ihm.

Die Deutschen, sagt Kaczyński ultimativ, müssten sich entscheiden, welches Verhältnis zu Polen sie haben wollen. Es gehe nicht an, dass "sie uns permanent attackieren und zugleich auf gute Beziehungen hoffen".

Im Klartext: Wenn die Bundesregierung innerhalb der EU weiter mit der Unterstützung der Osteuropäer rechnen will, wie das vor der Flüchtlingskrise 2015 die Regel war, dann muss Merkel ihre Migrationspolitik ändern und sich vor allem mit Kritik an der Innenpolitik in den Visegrád-Staaten zurückhalten.