Die Ehefrau des französischen Präsidentschaftskandidaten François Fillon soll neben hohen Gehältern für eine mutmaßliche Scheintätigkeit bei ihrem Mann auch eine außergewöhnlich hohe Abfindung von 45.000 Euro erhalten haben. Das berichtet die Satire- und Investigativzeitung Le Canard Enchaîné und erhöht damit den Druck auf den konservativen Präsidentschaftskandidaten.

Den Informationen zufolge erhielt Pénélope Fillon als parlamentarische Assistentin in den gut 15 Jahren ihrer Beschäftigung bei ihrem Mann zweimal Prämien, als ihr Vertrag endete. Im August 2002 soll die Abfindung 16.000 Euro betragen haben, im November 2013 29.000 Euro. Die Zeitung beruft sich dabei auf neue Erkenntnisse der Ermittler.

Im Jahr 2002 habe die Entschädigung fünf Monatsgehältern entsprochen, heißt es im Canard Enchaîné. Damit sei sie deutlich höher gewesen, als von der Nationalversammlung für parlamentarische Mitarbeiter vorgesehen. Zudem habe Pénélope Fillon einen Monat vor Vertragsende bei ihrem Mann bereits eine Anschlussbeschäftigung bei seinem Nachfolger Marc Joulaud gehabt.

François Fillon wies die Vorwürfe als "Lügen" zurück. Die Angaben stellten "keine neue Information" dar und enthielten zudem "offensichtliche Fehler". Die von ihm am Montag veröffentlichten Angaben hätten "selbstverständlich die gesamten Summen" beinhaltet, die seine Frau bekommen habe, inklusive Abfindungen. Dies gehe aus den Gehaltsabrechnungen hervor, die Zeitung habe bei der Analyse"zahlreiche Fehler" gemacht. "Nur der Wille zur Rufschädigung kann eine solch lügenhafte Darstellung erklären", sagte Fillon.

Fillon ist sich keines Fehlers bewusst

Am Mittwoch erscheint in der Tageszeitung Quest France ein "Brief an die Franzosen" von Fillon. Darin betont er, sich in 32 Jahren in der Politik immer an das Recht gehalten zu haben. Sein einziger Fehler sei es gewesen, mit Angehörigen zusammengearbeitet zu haben. Das ist in Frankreich jedoch nicht verboten. Bereits am Montag hatte der Politiker Details zu den Zahlungen an seine Frau veröffentlicht und damit versucht, die Vorwürfe gegen ihn zu entkräften. Demnach verdiente Pénélope Fillon insgesamt gut 680.000 Euro als parlamentarische Mitarbeiterin.

Der Canard Enchaîné berichtet allerdings, die Ermittler hätten weiterhin keine Hinweise, dass Pénélope Fillon für das Geld auch wirklich gearbeitet habe. Es gebe "weder Mails noch Aufzeichnungen noch Termineinträge", die eine Tätigkeit für ihren Mann belegten.

Bei der großen Mehrheit der Franzosen stoßen Fillons Angaben in der Affäre auf Skepsis. In einer Umfrage des Instituts Harris Interactive sagten 65 Prozent, dass sie den Auftritt des konservativen Politikers vom Montag nicht überzeugend fanden. Im bürgerlichen Lager ist die Zustimmung deutlich größer: 58 Prozent fanden Fillon überzeugend. Bei den Anhängern seiner republikanischen Partei waren es sogar 62 Prozent.

Seit Bekanntwerden der Affäre sind Fillons Zustimmungswerte eingebrochen. Nur 35 Prozent der Franzosen heißen es Umfragen zufolge gut, dass der 62-Jährige an seiner Präsidentschaftskandidatur festhält. Unter seinen Parteianhängern sind es dagegen 67 Prozent. Nach Umfragen käme er in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl im April nur noch auf den dritten Platz hinter Front-National-Chefin Marine Le Pen und dem sozialliberalen Politiker Emmanuel Macron. Zuvor galt Fillon als Favorit für die Nachfolge von Präsident François Hollande.