Dieser Mann wird niemals freiwillig gehen. "Ich wurde von Millionen Franzosen gewählt", sagte François Fillon in einer Pressekonferenz am Montagnachmittag mit Blick auf die Vorwahlen in seiner Partei, in der er sich gegen zwei starke Konkurrenten durchgesetzt hatte. "Keine Instanz hat das Recht, meine Kandidatur zurückzuziehen". Nun ist also klar: Die Konservativen werden weiterhin mit Fillon in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen müssen.

Dabei hat das sogenannte Penelopegate die Republikaner, die CDU von Frankreich, in die größte Krise seit ihrer Niederlage bei der letzten Präsidentschaftswahl 2012 gestürzt. In den vergangenen zwei Wochen enthüllte die französische Satirezeitung Le Canard enchainé, dass Fillons Frau Penelope über verschiedene Jahre mehr als 800.000 Euro als parlamentarische Assistentin erhalten haben soll, ohne beweisen zu können, tatsächlich gearbeitet zu haben. "Ja, ich habe meine Frau für durchschnittlich 3.877 Euro netto monatlich beschäftigt", bestätigte Fillon am Montag: "Und sie hat dafür gearbeitet". Es laufe eine Kampagne gegen ihn und gegen sein Programm, weil es Frankreich verändern werde.

Alles sei legal gewesen, beteuerte der Kandidat der Konservativen, wenngleich, und dafür wolle er sich entschuldigen, die Franzosen die Beschäftigung von Familienmitgliedern heute nicht mehr gutheißen würden. Zugleich beharrte er darauf, dass die parlamentarischen Mitarbeiter nur von den Abgeordneten, also ihren Arbeitgebern selbst, in ihrer Leistung beurteilt werden können. Mit anderen Worten: Nur er könne einschätzen, was seine Frau gearbeitet habe.

Seine Frau belastet ihn

Fillon sieht sich also als Mann, der gejagt wird, er zeigte keinerlei Einsicht. Der ehemalige Premierminister war vom Außenseiter zum Star bei den Vorwahlen der Republikaner geworden, er wurde bejubelt. Über Wochen sah ihn jede Umfrage mit großem Abstand im zweiten Wahlgang gegen die rechtsextreme Marine Le Pen antreten und auch dort haushoch gewinnen. Der katholische Konservative galt als künftiger Präsident, die Klatschzeitschriften brachten bunte Seiten über den Rennfahrer und fünffachen Familienvater – und seine Frau, die Pferdenärrin aus Großbritannien. Von diesem Sockel so abrupt gestoßen worden zu sein, hat er offenbar noch nicht verarbeitet.

Zumal die schlechteste Zeugin in dieser Affäre seine eigene Frau ist. Penelope Fillon war es, die in verschiedenen Interviews mit britischen Zeitungen angab, nicht zu arbeiten. Am vergangenen Donnerstag strahlte das britische Fernsehen sogar eine Dokusendung mit ihr aus dem Jahr 2007 aus, in der sie sagte, sie sei nie eine parlamentarische Assistentin gewesen. Die Sendung erreichte Rekordeinschaltquoten – die Franzosen sind fasziniert und zugleich abgeschreckt vom Penelopegate.

Wird sich Fillon also noch halten können? Während die anderen Parteien 80 Tage vor den Präsidentschaftswahlen Tausende Franzosen bei Veranstaltungen um sich scharen und ihre Programme verteilen, sind Fillon und seine konservative Truppe nur damit beschäftigt, abwechselnd ihren Kandidaten zu verteidigen und das angebliche "Komplott" gegen ihn zu kritisieren. So wächst bei den Republikanern der Wunsch nach einem neuen Kandidaten und jeden Tag melden sich neue Abgeordnete, die für einen geordneten Rückzug plädieren.