Das Problem der Republikaner scheint allerdings unlösbar: Fillon wurde bei den Vorwahlen gekürt, an denen knapp vier Millionen Anhänger der Partei teilgenommen haben. "Es gibt keinen Plan B", sagte Fillon in der Konferenz und damit scheint er Recht zu haben. Selbst diejenigen, die darauf gehofft hatten, einfach die Nummer zwei der Vorwahlen aufstellen zu können, nämlich Alain Juppé, wurden enttäuscht: Juppé hatte am Montagmorgen "Nein heißt Nein" getwittert und dass er ganz bestimmt nicht zur Verfügung stünde.

Was aber, wenn Fillon bleibt und in zwei oder drei Wochen doch Anklage gegen ihn erhoben wird? Dann würde er zurücktreten, hat er angekündigt. Bis dahin aber rückt die Wahl noch näher – und die Republikaner wären möglicherweise genötigt, wenige Wochen vor dem Urnengang einen Kandidaten zu benennen, innerhalb von Stunden sein Programm zu basteln und ihn überhastet in den Wahlkampf zu schicken. Ein Wahlkampf, der schon jetzt erschwert wurde: Republikaner berichten, sie seien am Wochenende von Passanten beschimpft und verhöhnt worden.

Ein linker FDP-Mann öffnet die Herzen der Franzosen

Wenn also die aussichtsreichste Partei Frankreichs plötzlich mit einem sehr angeschlagenen Kandidaten da steht, mischen sich alle Chancen bei der Präsidentschaftswahl neu. Und zum ersten Mal in der Geschichte Frankreichs wird das Rennen offenbar nicht alleine zwischen den Sozialisten, Konservativen und Rechtsextremen entschieden. Mit Emmanuel Macron steht in den Umfragen ein parteiloser Mann an der Spitze, der früher Investmentbanker war, wirtschaftsliberale Positionen vertritt und in Deutschland wahrscheinlich ein linker FDP-Mann wäre. Macron möchte die Wirtschaft mit geringeren Steuern ankurbeln, die Schulden notfalls mit Kürzungen verringern und den Firmen erlauben, über die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter zu verhandeln. Mit linken Parteien in Frankreich verbindet ihn hingegen sein Plädoyer, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, Frauenquoten einzuführen und Homosexuelle heiraten zu lassen. Bislang wird Macron von den Medien gefeiert und zu seinen Veranstaltungen kommen weit mehr als zehntausend Menschen.

Wenige Wochen vor dem ersten Wahlgang Ende April scheinen die Stimmungen in Frankreich zu wanken. Fest steht nur, dass viele Bürger die sogenannte alte Garde der Politiker abgelehnen. Das Treffen zwischen dem neuen sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon und dem alten sozialistischen Präsidenten François Hollande vor einigen Tagen fiel kühl aus. Der 49-jährige Hamon wirbt in seiner Kampagne um einen Neuanfang, er möchte Angestellte nur 32 Stunden pro Woche arbeiten lassen, die Atomkraftwerke im Nuklearland Frankreich abschalten und allen Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen zahlen. Ein Programm, das im starken Gegensatz zu Fillon steht, der Beamtenstellen streichen und soziale Hilfen kürzen möchte. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Fillon wieder über sein Programm sprechen kann – und damit den Neuanfang hinlegen, den er vollmundig versprach.