Geert Wilders sitzt aufrecht in einem dunklen Ledersessel vor dem Kamin, ein dicker Teppich unter seinen Füßen, die Wände holzvertäfelt. Sein Interviewer hat sich in einem zweiten Sessel niedergelassen. Alles im Raum strahlt gutbürgerliche Behaglichkeit aus, wie sie niederländischen Patrizierhäusern eigen ist. In solch einem Ambiente gibt der bekannte Rechtspopulist sein erstes Wahlkampfinterview.

In einem Monat bestimmen die Niederländer ein neues Parlament. Nirgends in Europa sind die Rechtspopulisten gegenwärtig so beliebt im Wahlvolk wie in Holland. Seit Wochen liegt Wilders Partei der Freiheit (PVV) in allen Umfragen vorne, weit vor den regierenden Rechtsliberalen von Ministerpräsident Mark Rutte. Jahrelang schon treibt Wilders die Regierenden in Den Haag mit seinem Radikalismus vor sich her. Bislang konnte ihn nichts aufhalten, nicht einmal eine Verurteilung wegen Diskriminierung und Beleidigung marokkanischstämmiger Bürger im Dezember.

Da sitzt Wilders nun also sonntagmorgens um neun Uhr in der politisch rechts stehenden Frühstückssendung WNL op Zondag und spricht davon, was er tun würde, könnte er die Niederlande regieren. Erfahrene Wilders-Analysten bemerken sogleich, dass er den Koran nicht mehr ganz so radikal verbieten will, wie man es bereits von ihm gehört hatte. Grundsätzlich verbieten natürlich schon und Wilders vergleicht das heilige Buch auch wieder mit Hitlers Mein Kampf. Dann aber sagt er: "Wir werden den Koran nicht aus den Häusern der Menschen holen, natürlich nicht." Eine Anspielung auf eine Debatte im September. Damals hatte ihn der christdemokratische Fraktionsvorsitzende Sybrand Buma gefragt, wie Wilders denn nun konkret das Land deislamisieren wolle. Wilders hatte daraufhin ein wildes Bild von Polizisten gezeichnet, die herumgehen, Korane einsammeln und Moscheen schließen.

Doch die Worte von diesem Sonntag sind keine Abkehr von solch extremen Ideen. Sie erzählen mehr von der Beweglichkeit des Rhetorikers, der seine radikalen Thesen auch in sanften Klängen vorzutragen weiß.

Alles, was Wilders vertritt, richtet sich weiterhin gegen den Islam. Verbieten möchte er, was er für eine Ideologie im Gewand der Religion hält. "Die islamische Ideologie ist womöglich noch gefährlicher als der Nationalsozialismus", sagt Wilders, vergleicht Moscheen mit "Nazi-Tempeln" und warnt: "Die Kopftücher zeigen, was da geschieht. Das sind nicht mehr die Niederlande. Unser Land ist besetzt. Wir müssen es zurückerobern."

Es ist die Methode aller Populisten: Ängste schüren, Feindbilder aufbauen. Man kennt das von Wilders schon lange und er ist nicht der erste, der in den Niederlanden so gegen den Islam zu Felde zieht. Schon um die Jahrtausendwende hatte Pim Fortuyn über Muslime gespottet, der erste erfolgreiche Rechtspopulist im Land. Fortuyn inszenierte sich damals als Lebemann in Nadelstreifen und kokettierte offen mit seiner Homosexualität. Seine Methode war ständige Provokation. "Wählt mich, dann dürft ihr Pelzmäntel tragen", antwortete er Tierschützern. Lächelnd rief er zum kalten Krieg gegen den Islam auf. "Das ist eine aggressive Ideologie", sagte er und wollte zum Schutz vor Überfremdung auch schon das Abkommen von Schengen aussetzen.