Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hat die Arbeit der UN in Pakistan kritisiert. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) habe zu rechtswidrigen Methoden der pakistanischen Behörden geschwiegen. Außerdem sollen die UN das Rückführungsprogramm afghanischer Flüchtlinge aktiv vorangetrieben haben, heißt es in dem 77-seitigen Bericht. Das UNHCR habe damit sein Mandat, Flüchtlinge zu schützen, aufgekündigt und Pakistans Rechtsbrüche unterstützt. Damit mache es sich mitschuldig, so HRW.

Das UNHCR wies diese Kritik zurück. Die jüngsten Entwicklungen in Pakistan seien durch "mehrere Faktoren" bedingt, erklärte das Flüchtlingshilfswerk. Dazu zählten der "Druck der Sicherheitskräfte" in Pakistan, "veränderte Verhaltensweisen" in den Aufnahmeregionen und verschärfte Grenzkontrollen. Laut einer UNHCR-Aufstellung aus dem vergangenen Jahr lebten damals 2,4 Millionen Afghanen in Pakistan, viele von ihnen seit der sowjetischen Invasion 1979.

Pakistan hatte seit den achtziger Jahren Millionen Afghanen beherbergt, die vor den Kriegen und Bürgerkriegen im Nachbarland geflohen waren. Unter anderem wegen zunehmender Spannungen zwischen der afghanischen und pakistanischen Regierung waren 2016 etwa 600.000 Afghanen aus Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt – oft unfreiwillig. HRW nennt dies in seinem Bericht "die größte rechtswidrige Zwangsabschiebung von Flüchtlingen in jüngerer Zeit".

"Eine toxische Mischung"

Pakistan war im vergangenen Jahr von vielen Seiten dafür kritisiert worden, wie es die Afghanen zur Massenausreise bewegte. HRW spricht dabei von einer "toxischen Mischung" aus Abschiebedrohungen, täglichen Misshandlungen durch die Polizei, willkürlichen Festnahmen und dem Ausschluss von afghanischen Kindern von der Schulbildung.

Pakistan breche damit den völkerrechtlichen Grundsatz der Nichtzurückweisung von Menschen. Dieser verbiete auch die Rückführung von Flüchtlingen in Länder, in denen ihr Leben bedroht sei. Das UNHCR habe darauf aber nicht öffentlich aufmerksam gemacht. Hinter den Kulissen Besorgnis über einzelne Fälle zu äußern, sei unzureichend angesichts der weit verbreiteten Misshandlungen Hunderttausender Afghanen.

Laut Human Rights Watch habe das UNHCR die Menschen in seinem Programm zur freiwilligen Rückkehr nicht vollständig über die Zustände informiert, in die sie zurückkehrten. Nothelfer warnen bereits vor einer humanitären Krise in Afghanistan. Human Rights Watch forderte das UN-Flüchtlingswerk dazu auf, nicht mehr über Pakistans Rechtsbrüche zu schweigen und jeglichen Zwang gegen Afghanen öffentlich anzuprangern.