Der frühere Premierminister John Major hat die britische Regierung aufgefordert, im Zuge der Brexit-Verhandlungen die "billige Rhetorik" zu reduzieren. Wenn sie einen guten Deal mit der Europäischen Union aushandeln wolle, müsse die Regierung mehr Charme walten lassen, sagte der konservative Politiker bei einer Veranstaltung im außenpolitischen Thinktank Chatham House in London.

Es sei "sehr, sehr optimistisch" zu glauben, dass Großbritannien in zwei Jahren die Bedingungen für das Ausscheiden aus der EU regeln und gleichzeitig eine neue Beziehung zur Union aufbauen könne, sagte Major weiter. Er warf den Politikern, die den Brexit befürworten, vor, bei den Briten unrealistische Erwartungen von einem Leben außerhalb der EU zu erzeugen. Der Ex-Premier erinnerte außerdem daran, dass 48 Prozent des Landes für einen Verbleib in der EU gestimmt hätten und sich diese Meinung noch "weiterentwickeln" könne, wenn die Realität des Brexits klar werde. Major führte in Großbritannien von 1990 bis 1997 eine konservative Regierung.

Premierministerin Theresa May will Ende März zwei Jahre andauernde Gespräche über den Austritt Großbritanniens aus der EU einleiten. Grundlage dafür ist Artikel 50 des EU-Vertrags, der regelt, wie ein Austritt ablaufen soll. Der Rahmen der Verhandlungen ist so zwar vorgegeben, doch weitere Details nicht. 

Aus den Reihen früherer britischer Premierminister hatte sich kürzlich auch der Labour-Politiker Tony Blair zum Brexit zu Wort gemeldet. Der frühere Premier warf Mays Regierung vor, allein vom Thema Brexit beherrscht zu sein. Alle anderen Themen, sei es die Gesundheitsversorgung, Fortschritte im Bildungssektor oder Einwanderung, würden gänzlich vernachlässigt. Blair rief zum friedlichen Widerstand gegen den Brexit auf.