Die regierungsunabhängige US-Ethikbehörde fordert Ermittlungen gegen Kellyanne Conway, eine enge Vertraute und Beraterin von US-Präsident Donald Trump. Die Behörde gab am Dienstag eine entsprechende Stellungnahme ab. "Unter den gegebenen Umständen gibt es starken Grund zur Annahme, dass Frau Conway gegen Verhaltensstandards verstoßen hat", schreibt Behördenleiter Walter Shaub darin. "Ich empfehle dem Weißen Haus, Ermittlungen wegen des Verhaltens von Frau Conway einzuleiten und Disziplinarmaßnahmen gegen sie in Betracht zu ziehen." Die Schritte sollten bis zum 28. Februar unternommen werden.

Der Grund für die Empfehlung der Behörde ist ein Fernsehinterview von Conway. Darin hatte sie offensiv für das Modeunternehmen von Donald Trumps Tochter, Ivanka Trump, geworben. "Geht und kauft Ivankas Sachen", sagte Conway während des Liveinterviews mit Fox News, das im Weißen Haus stattfand. Sie reagierte damit auf die Entscheidung der US-Kaufhauskette Nordstrom, die Mode von Trump wegen sinkender Umsätze aus dem Sortiment zu nehmen. Conway bezeichnete ihre Aussagen selbst als "kostenlose Werbung".

Für das Interview erntete Conway viel Kritik von beiden politischen Parteien in den USA. Republikaner und Demokraten legten als Reaktion gemeinsam Beschwerde bei der Ethikbehörde ein. Die US-Regierung ging zuvor auf Distanz zu den Aussagen von Conway.

Allerdings hatte US-Präsident Trump Nordstrom zuvor selbst scharf kritisiert. Sein Pressesprecher Sean Spicer sprach von einer politisch motivierten Entscheidung des Bekleidungsgeschäfts. Der Skandal um Conway folgt nur einen Tag nach dem Rücktritt von Trumps Nationalem Sicherheitsberater Michael Flynn. Dieser hatte wegen umstrittener Kontakte zu Russland sein Amt aufgegeben.

Kellyanne Conway war als Wahlkampfmanagerin für Donald Trump tätig. Schon während des Wahlkampfes verteidigte sie oft Ausfälle des Republikaners. Nach seiner Wahl zum US-Präsidenten machte Trump sie zur Chefberaterin im Weißen Haus.