Das Verhältnis zwischen Venezuela und den USA verschlechtert sich täglich: Am Montag hatte die US-Regierung Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami wegen Drogenhandel-Vorwürfen auf eine Schwarze Liste gesetzt, am Mittwoch reagierte Venezuela mit der Abschaltung des US-Auslandssenders CNN. Die spanischsprachigen Ausgabe werde nicht mehr ausgestrahlt, teilte die nationale Rundfunkkommission mit. El Aissami gilt als möglicher Nachfolger des derzeitigen Präsidenten Maduro.

Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur Agence France-Presse berichteten, war die englischsprachige Ausgabe weiterhin zu empfangen. Ein CNN-Sprecher wies außerdem darauf hin, dass CNN auf Spanisch weiterhin beim Videodienst YouTube laufe.

Die venezolanische Außenministerin Delcy Rodríguez hatte die Senderschließung am Mittwoch angekündigt und gesagt, CNN betreibe eine "auf Fehlern gründende Operation der Kriegspropaganda". Rodríguez bezog sich insbesondere auf einen CNN-Bericht von Anfang Februar, wonach die venezolanische Botschaft in Bagdad Pässe und Visa an Araber mit Kontakten zu Extremisten verkauft habe. Vizepräsident El Aissami wurde als einer der Hintermänner der angeblichen Visa-Deals genannt.

"Ich will, dass CNN Venezuela verlässt, raus!"

Bereits am Sonntag hatte Staatschef Nicolás Maduro in seiner wöchentlichen Fernsehsendung gefordert: "Ich will, dass CNN Venezuela verlässt, raus!" Der CNN-Unternehmenssprecher sagte am Mittwoch: "CNN verteidigt die journalistische Arbeit unseres Senders und unseren Einsatz für Wahrheit und Transparenz."

US-Präsident Donald Trump forderte zugleich die Freilassung des inhaftierten venezolanischen Oppositionsführers Leopoldo López. "Venezuela sollte Leopoldo López, einen politischen Gefangenen und Ehemann von @liliantintori (...) erlauben, sofort das Gefängnis zu verlassen", schrieb er am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter und veröffentlichte ein Bild, auf dem er, Vizepräsident Mike Pence und Floridas Senator Marco Rubio zusammen mit López' Ehefrau Lilian Tintori im Oval Office zu sehen sind.

Venezuelas Präsident Venezuelas Nicolás Maduro dürfte das Treffen und den Tweet als Einmischung in innere Angelegenheiten und Affront auffassen. López verbüßt wegen angeblicher Anstachelung zur Gewalt bei regierungskritischen Protesten eine fast 14-jährige Haftstrafe. Viele Länder und Organisationen kritisierten die Strafe als politisch motiviert. Sein Frau Lilian Tintori kämpft weltweit für seine Freilassung. Sie dankte Trump und Pence für die Unterstützung, "die Demokratie in unserem Land wiederherzustellen."

In Venezuela reagieren die Sozialisten seit 1999, zuletzt mit immer autoritäreren Zügen. Die Opposition versucht bisher vergeblich, ein Referendum zur Abwahl von Maduro durchzusetzen. Trotz der größten Ölreserven der Welt ist das Land in eine der schlimmsten Versorgungskrisen seiner Geschichte geraten, die Mordraten in Caracas gehören zu den höchsten weltweit. Überall gibt es Schlangen vor Apotheken und Supermärkten, weil Devisen für den Import fehlen. Kurz vor der Veröffentlichung der Aufforderung Trumps hatte Maduro allerdings noch gemäßigte Töne angeschlagen.

Maduro: kein Streit "mit dem Señor Trump"

"Wenn Sie mich fragen, sage ich, dass ich mich nicht mit dem Señor Trump streiten will." Er wolle eine Beziehung des Respekts und Dialogs. Bei einer Veranstaltung äußerte er jedoch die Befürchtung, dass die Beziehungen auf das gleiche schlechte Niveau fallen könnten wie mit dem "Bush-Clan und dem Clan Clinton-Obama." Maduro hatte vergangenes Jahr mehrere große Militärmanöver abgehalten, er unterstellte den USA Invasionsabsichten. Der enge Verbündete Russlands, Chinas und des Irans hatte ursprünglich auf eine Entspannung unter Trump gesetzt.