Die malaysische Polizei hat einen vierten Verdächtigen im Fall Kim Jong Nam festgenommen. Der Halbbruder des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un war am Montag auf dem Flughafen von Kuala Lumpur während eines nur wenige Sekunden dauernden Überfalls getötet worden. Bei dem Festgenommenen soll es sich Medienberichten zufolge um einen 47-jährigen Nordkoreaner handeln. Nach drei weiteren Verdächtigen werde noch gefahndet.

Zuvor waren bereits zwei Frauen festgenommen, die als Hauptverdächtige gelten. Sie tragen einen indonesischen und einen vietnamesischen Pass; Ermittler halten sie für Agentinnen des nordkoreanischen Geheimdienstes. Südkorea warf seinem Erzfeind Nordkorea vor, den Halbbruder des Machthabers mit einem Tötungskommando von Geheimagenten am Flughafen von Kuala Lumpur umgebracht zu haben. Die Frauen hätten ihn vergiftet und seien dann in einem Taxi geflohen.

Die Behörden in Indonesien versuchten die verdächtige 25-Jährige zu entlasten: Sie sei bei dem Attentat offenbar "ausgetrickst" worden, sagte Indonesiens Polizeichef Tito Karnavian laut örtlichen Medienberichten am Freitag. Die Frau habe glauben sollen, sie nehme an einem Streich für eine Fernsehshow mit versteckter Kamera teil. "Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden." Gemeinsam mit einer anderen Frau sei sie bereits in der Vergangenheit gegen Geld zu Streichen überredet worden. Auch dabei sollte sie jemandem eine Substanz in die Augen sprühen.

Kim Jong Nam wurde früher als zukünftiger Führer Nordkoreas gehandelt. Noch zu Lebzeiten des Vaters fiel er jedoch in Ungnade; daher rückte sein jüngerer Halbbruder Kim Jong Un nach dessen Tod 2011 an die Spitze des kommunistischen Staates auf. Der Halbbruder lebte seither vor allem im Ausland. Er hatte sich zwar mehrmals kritisch über die Situation in seinem Heimatland geäußert, als vehementer Regimegegner galt er jedoch nicht.

Nordkorea will Autopsie-Ergebnis nicht anerkennen

Malaysias Behörden halten sich offiziell zurück. Die New Straits Times zitierte einen hochrangigen Polizeibeamten aber mit den Worten: "Wir haben Grund zu der Annahme, dass dies das Werk von ausländischen Agenten war." Der Verdacht richtet sich vor allem gegen Nordkorea, dessen Machthaber für brutales Vorgehen bekannt ist.

Wie Kim Jong Nam konkret starb, ist noch unklar. Kurz vor seinem Tod hatte er Rettungskräften gesagt, dass er mit einer chemischen Substanz besprüht worden sei. Nordkorea gab am Freitag bekannt, die Ergebnisse einer Autopsie nicht anerkennen zu wollen. Die Behörden in Malaysia hätten diese ohne Einverständnis Nordkoreas und ohne nordkoreanische Zeugen vorgenommen, sagte Botschafter Kang Chol am Freitag in Kuala Lumpur. Er forderte, der Leichnam müsse unverzüglich überstellt werden. Das Ergebnis der Obduktion wurde bisher nicht veröffentlicht. Die malaysischen Behörden haben eine zweite Autopsie veranlasst.