Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Lage in der Ostukraine gesprochen und ihn aufgerufen, seinen Einfluss in dem Konflikt geltend zu machen. Angesichts der neuen Kämpfe hätten Merkel und Putin in ihrem Telefonat die Hoffnung ausgedrückt, "dass die Kampfhandlungen bald vollständig und dauerhaft zum Erliegen kommen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Die Bundeskanzlerin appellierte an den russischen Staatspräsidenten, auf die Separatisten in diesem Sinne einzuwirken." Schon am Montag hatte Seibert erklärt, aus Sicht der Bundesregierung liege "die Hauptverantwortung für den Konflikt in der Ostukraine (...) bei den von Russland bis heute massiv unterstützten Separatisten".

Das Präsidialamt in Moskau teilte mit, Merkel und Putin hätten ernste Sorgen über die hohe Zahl an Toten und Verletzten geäußert. Allein in den vergangenen Tagen wurden bei Kämpfen zwischen Soldaten der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten im Gebiet um die Städte Donezk und Awdijiwka mindestens 27 Menschen getötet.

Neben der derzeitigen Lage in der Ostukraine stand Seibert zufolge die weitere Umsetzung der Minsker Vereinbarungen im Mittelpunkt des Telefonats zwischen Putin und Merkel. In dem Friedensabkommen vom Februar 2015 wurden eine Waffenruhe sowie der Abzug schwerer Waffen von der Frontlinie verankert – doch haben sich beide Seiten wiederholt vorgeworfen, dagegen zu verstoßen.

Seibert sagte: "Die Bundeskanzlerin und der russische Staatspräsident waren sich einig, dass zur Absicherung des Waffenstillstandes neue Anstrengungen unternommen werden müssten, und baten die Außenminister und ihre außenpolitischen Berater, dazu im engen Kontakt zu bleiben." Der Kreml teilte mit, Putin habe sich für neue Verhandlungen ausgesprochen. Zunächst solle wie geplant ein Treffen der Außenminister Russlands, Deutschlands, Frankreichs und der Ukraine stattfinden. Später solle es auf höchster Ebene Gespräche geben. Ein Datum wurde hierfür allerdings noch nicht genannt.

Seibert sagte auch, beide Staatschefs hätten die Anstrengungen der OSZE-Beobachter gewürdigt, die humanitäre Lage für die Zivilbevölkerung vor Ort zu verbessern.