Die in Genf angesetzten Friedensgespräche für Syrien werden von neuen schweren Kämpfen im Land erschwert. Nach Angaben der oppositionsnahen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in den westlichen und zentralen Provinzen Daraa und Hama Rebellen-Gebiete aus der Luft angegriffen. Aufständische hätten wiederum Regierungsziele mit Raketen beschossen. 

Die Chefunterhändler der syrischen Regierung und der Opposition trafen unterdessen getrennt bei den Vereinten Nationen in Genf ein. Vor dem Treffen hatte der UN-Syrien-Gesandte Staffan de Mistura gewarnt, dass nicht mit einem Durchbruch zu rechnen sei. Vertreter von Regierung und Opposition trafen erstmals seit drei Jahren wieder in einem Raum zusammen. De Mistura appellierte an beide Seiten, die historische Chance auf Frieden nicht verstreichen zu lassen. "Ich weiß, dass es schwierig ist, aber versuchen wir zusammenzuarbeiten, um diesem schrecklichen Konflikt ein Ende zu bereiten", mahnte er. Die Syrer sehnten sich nach Frieden.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte, mit den Gesprächen zeichne sich am Horizont die Möglichkeit ab, die Spirale der Gewalt zu durchbrechen. "Weder das syrische Regime noch die Opposition sollten diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, auch wenn die Gespräche mit Sicherheit nicht einfach werden". 

Angesichts von zehn Millionen leidenden Kindern in Syrien rief auch das UN-Kinderhilfswerk Unicef die Teilnehmer zur Einigung auf. "Alle an dem Konflikt beteiligten Parteien und die, die Einfluss auf sie haben, müssen sich mit extremem Hochdruck dafür einsetzen, dass die Waffen für immer schweigen", forderte der Unicef-Regionaldirektor Geert Cappelaere. 

Putin will al-Assad halten

Es sind die ersten Syrien-Friedensgespräche in der Schweiz seit fast einem Jahr. Im April 2016 waren sie wegen der eskalierenden Gewalt besonders rund um die inzwischen unter Regierungskontrolle stehende Großstadt Aleppo abgebrochen worden. Danach hatten Russland und der Iran, die beide Machthaber Baschar al-Assad unterstützen, sowie die Türkei ein neues Format in der kasachischen Hauptstadt Astana initiiert – ohne Beteiligung von UN, USA oder EU. Dort wurde eine Feuerpause vereinbart, die sich aber als brüchig erwiesen hat.

Russlands Präsident Wladimir Putin machte zum Auftakt der neuen Gespräche erneut seine Unterstützung für al-Assad deutlich. Das Ziel Russlands in Syrien sei es, "die legitime Regierung zu stabilisieren" und dem internationalen Terrorismus "den entscheidenden Schlag" zu versetzen, sagte Putin vor Offizieren der russischen Flotte, die aus dem Syrien-Einsatz zurückgekehrt waren. Je früher eine politische Lösung für Syrien gefunden werde, desto höher seien die Chancen für die internationale Gemeinschaft, die "terroristische Pest" auf in Syrien loszuwerden.

Türkei weitet Pufferzone aus

Im Norden Syriens wird noch immer gekämpft. Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldete, dass von der Türkei unterstützte Rebellen große Teile der vom "Islamischen Staat" (IS) gehaltenen Stadt Al-Bab eingenommen hätten. Die Freie Syrische Armee sei ins Zentrum eingerückt, sagte der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık.

Mit der Eroberung weitet die Türkei eine Pufferzone im Norden Syriens aus, von der aus die von ihr unterstützten Kämpfer weiter auf die faktische Hauptstadt des IS, Rakka, vorrücken könnten. Gleichzeitig hofft die Türkei, die Ausbreitung der syrischen Kurdenmiliz YPG an seiner Grenze verhindern zu können, die sie als verlängerten Arm der verboten kurdischen Arbeiterpartei PKK betrachtet.

Der IS hatte das Chaos im syrischen Bürgerkriegs genutzt, um vom Irak aus im Nachbarland Fuß zu fassen. Von den Friedensgesprächen in Genf ist die Terrormiliz ausgeschlossen.