Wenn Boguslaw aus seinem Zelt hinaustritt und sich eine Zigarette ansteckt, nickt er zufrieden. Sie ist noch da. Grellgrün gestrichen, rot und gelb gestreift. Eine klapprige Lokomotive, die sich vom trostlosen Grau des Februarhimmels abhebt. "Den Zug habe ich selbst zum Stehen gebracht", sagt er stolz. Boguslaw, Oberlippenbart, militärgrüne Jacke, schwere Camouflage-Hose, zieht an seiner Zigarette. "Wenn sie es wagen, wieder einen Zug hierherzuschicken, werden wir ihn anzünden."

Seit gut einem Monat blockieren Kriegsveteranen und Aktivisten wie Boguslaw die Kohlelieferungen aus dem Donbass, die eigentlich von den Separatistengebieten in die Ukraine gehen. Wie Filialen sind die Blockaden entlang der 400 Kilometer langen Frontlinie eröffnet worden: Mit einem Standpunkt hat es angefangen, heute sind es drei.

Die meisten der "Blokadniki", der Blockierer, waren selbst als Soldaten an der Front, die hier nur wenige Kilometer entfernt ist. Boguslaw hat im Freiwilligenbataillon Donbass gekämpft. Er kennt den zermürbenden Stellungskrieg, der auf der Stelle tritt, keine Landgewinne bringt und somit längst zum Spielball der Oligarchen geworden ist, glaubt Boguslaw. So richtet sich die Blockade, die eigentlich gestartet wurde, um ukrainische Kriegsgefangene freizupressen, mittlerweile gegen das, was sie als die wahren Hintermänner des Krieges sehen: die Oligarchen.

Erst, wenn der gesamte Handel aufhört und der Krieg für niemanden mehr ein Geschäft ist, werde er beendet werden können, sagt Boguslaw. Irgendwann sollen auch Strom- und Wasserversorgung gekappt werden. Für Boguslaw ist die Blockade eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

Mit dieser Rhetorik gegen Separatisten und Oligarchen trifft die Blockade auf Zustimmung in Teilen der ukrainischen Bevölkerung. "Viele Ukrainer halten es für amoralisch und eine unannehmbare Situation, wenn die Ukraine Krieg und zugleich Handel mit den Separatistengebieten treibt", sagt der Politologe Wolodymyr Fesenko. Immerhin 17 Prozent der Ukrainer sind für ein vollständiges Kappen aller Wirtschaftsbeziehungen zu den Gebieten. 27 Prozent wollen hingegen, dass diese Gebiete wieder vollständig eingegliedert werden, so eine aktuelle Umfrage.

Leidtragender der Blockade ist vor allem Rinat Achmetow. Der Kohlebaron, der seit Kriegsausbruch im Donbass die Hälfte seines Vermögens verloren hat, gilt nach wie vor als einflussreichster Oligarch der Ukraine. Seine Kohlegruben in den abtrünnigen Gebieten sind von der Blockade betroffen. Bereits zwei Fabriken mussten ihren Betrieb deshalb einstellen. Die Separatisten wollen derweil ihrerseits Achmetows Unternehmen unter ihre Kontrolle bringen, laut eigenen Angaben haben sie bereits 40 Unternehmensteile besetzt oder unter ihre Kontrolle gebracht. 

Aber auch die Regierung leidet unter der Blockade. Viele ukrainische Kraftwerke sind auf die Achmetow-Kohle aus den Separatistengebieten angewiesen. Die Regierung hat deshalb bereits vor Engpässen bei der Stromversorgung gewarnt und den Notstand ausgerufen. Auch die EU und die USA haben vor einer "massiven Energiekrise" gewarnt. "Für diese Kohle gibt es keine Alternative", sagte Premier Wolodymyr Hrojsman.