Die USA streben nach den Worten von Heimatschutzminister John Kelly mit ihren verschärften Einwanderungsregelungen keine Massenabschiebungen von Migranten an. Es gehe vielmehr darum, über die südliche Grenze der USA wieder die "Kontrolle zu erlangen", sagte Kelly am Mittwoch bei einer Pressekonferenz während seines Besuchs in Guatemala. "Wir gehen nicht raus und führen Massenabschiebungen durch", sagte der Minister.

Zugleich warnte Kelly potenzielle Migranten vor einer Flucht in den Norden. Jüngste Dekrete von Präsident Donald Trump würden dafür sorgen, dass sie schon an der Grenze zu den USA abgefangen, "fair und human behandelt und in ihre Heimatländer zurückgeschickt" würden. Den Guatemalteken rate er daher von der "sehr, sehr gefährlichen" Reise durch Mexiko mit dem Ziel USA ab.

Kelly hatte am Dienstag den Grenzschutz und die Einwanderungsbehörden angewiesen, mit verschärften und großflächigen Razzien gegen illegale Einwanderer vorzugehen. Aus den Anweisungen geht hervor, dass bis auf wenige Ausnahmen sämtliche der elf Millionen illegal im Land lebenden Menschen nun ihre Abschiebung fürchten müssen. Am Mittwoch betonte er, die Maßnahmen zielten vor allem auf "Straftäter" ab.

Mexiko verweigert Aufnahme von Migranten

Der Rechtsweg werde weiterhin gewährleistet, sicherte Kelly zu. "Wenn wir jemanden in Gewahrsam nehmen, dann wird er dem amerikanischen Rechtssystem übergeben – das sind die Gerichte, und es sind die Gerichte, die entscheiden, was mit ihm geschieht", sagte der Minister.

Mexiko stellte am Mittwoch klar, keine aus den USA abgeschobenen Migranten anderer Länder aufnehmen zu wollen. "Wenn die US-Regierung darauf besteht, Nichtmexikaner nach Mexiko abzuschieben, haben wir keine Veranlassung, sie aufzunehmen", sagte Außenminister Luis Videgaray. Damit reagierte er auf eine Richtlinie, nach der künftig illegale Migranten beispielsweise aus Mittelamerika nach Mexiko zurückgeschickt werden können, wenn sie über Mexiko in die Vereinigten Staaten eingereist sind.

Kelly sollte am Donnerstag mit US-Außenminister Rex Tillerson in Mexiko zusammentreffen, um in einem Gespräch mit Präsident Enrique Peña Nieto die Wogen im Streit über Einwanderungsfragen zwischen den beiden Nachbarländern zu glätten. Das Treffen war für den Abend geplant. Außerdem sollte es um die Zusammenarbeit in der Strafverfolgung sowie den Handel gehen. Tillerson traf bereits am Mittwochabend in Mexiko-Stadt ein.

Die Beziehungen beider Länder sind seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump stark angespannt. Trump will eine durchgehende Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und den südlichen Nachbarn dafür bezahlen lassen, was Peña Nieto kategorisch ablehnt. Wegen des Streits war im Januar ein Treffen der Präsidenten geplatzt. Zuletzt hatte die Trump-Regierung zudem die verstärkte Abschiebung illegaler Einwanderer angekündigt, von denen ein Großteil Mexikaner ist.