Gegen diesen Zerfall aber müssen die Europäer kämpfen, so wie es die Niederländer bei den Parlamentswahlen getan haben, als sie den Rechtspopulisten um Geert Wilders mit 13 Prozent eine Abfuhr erteilten. Vor ihnen haben die Österreicher bewiesen, dass Nationalisten und Populisten gestoppt werden können, wenn die Demokraten endlich in die Puschen kommen. Nun ist es an den Franzosen, es ihnen gleich zu tun.

Ein geeintes Europa – leider ohne die Briten – kann wirklich ein starker Verteidiger der liberalen Weltordnung sein. Nicht zuletzt, weil wir seit sechzig Jahren gelernte Multilateralisten sind, die wissen, dass die Probleme unserer Welt nur gemeinsam zu lösen sind. Und die begriffen haben, dass Sicherheit nicht allein mit militärischen Mitteln zu haben ist.

Wenn Donald Trump also im nächsten Haushalt 54 Milliarden Dollar mehr für die Verteidigung ausgeben will, aber die Gelder für die Diplomatie, die Entwicklungshilfe und den Umweltschutz zusammenstreicht, dann untergräbt er geradezu die Macht Amerikas, die ja nicht zuletzt auf seiner Soft Power beruht, auf seiner bis heute beispiellosen Fähigkeit, Menschen in aller Welt für sich zu gewinnen.

Es kann nicht darum gehen, dass irgendjemand von den Amerikanern die Führung der freien Welt übernimmt. Es kommt vielmehr darauf an, jene Kräfte in den Vereinigten Staaten zu unterstützen, die gemeinsam mit den Liberalen in Europa und überall sonst diese Ordnung gegen die "autoritäre Versuchung" (Ralf Dahrendorf) verteidigen.

Man kann die amerikanischen Kollegen verstehen, die aus tiefer Frustration heraus ihre Hoffnungen auf die deutsche Kanzlerin richten. Aber, um an dieser Stelle den Vorgänger Angela Merkels zu zitieren: "Wir müssen die Kirche im Dorf lassen!" Das weiß übrigens auch Martin Schulz, der möglicherweise in einem halben Jahr die Führerin der freien Welt ablösen wird. Er weiß es hundertprozentig.