Die Regierung des früheren US-Präsidenten Barack Obama hat versucht, Nordkoreas Raketenprogramm durch Cyberattacken zu sabotieren. Das berichtet die Zeitung New York Times unter Berufung auf Vertreter von Obamas Regierung und der Nachfolgeregierung unter Donald Trump. Die US-Regierung habe derzeit keine Mittel, Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm wirksam zu bekämpfen. In der Vergangenheit hatten amerikanische Abwehrprogramme unter Testbedingungen bei mehr als der Hälfte der Versuche versagt. 

Obama hatte dem Bericht zufolge das Verteidigungsministerium vor drei Jahren angewiesen, die elektronischen und Cyberattacken gegen Nordkorea auszuweiten, um den Start von nordkoreanischen Raketen zu verhindern. Nordkorea arbeite gerade an der Entwicklung von mit Atomsprengköpfen bestückten Interkontinentalraketen, die amerikanische Städte erreichen könnten, hieß es.

Es sei unklar, wie weit das Regime mit diesen Plänen ist. Obama hatte Trump bei der Amtsübergabe im Januar gesagt, die Bedrohung durch Nordkorea sei wahrscheinlich das dringlichste Problem, dem sich der neue US-Präsident stellen müsse.

Ob die Cyberangriffe Erfolg hatten, ist dem Bericht zufolge unklar. Kurz nach dem Beginn der Attacken seien jedoch einige Raketenstarts in Nordkorea missglückt. Sollte dies tatsächlich auf die Hackerangriffe zurückzuführen sein, wäre Nordkoreas Vorhaben, mit Atomsprengköpfen bestückte Interkontinentalraketen zu entwickeln, um Jahre zurückgeworfen, sagten Verteidiger der Kampagne. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un soll vergangenen Herbst angekündigt haben, er wolle untersuchen, ob die misslungenen Startversuche von den USA manipuliert waren.

Kritiker entgegneten laut NYT, dass die Fehlschläge des nordkoreanischen Raketenprogramms womöglich schlicht auf Unfähigkeit der Nordkoreaner und schlechte Verarbeitung der Raketen zurückzuführen seien. 88 Prozent der Startversuche der Mittelstreckenrakete Musudan waren laut der Zeitung gescheitert. 

In den vergangenen acht Monaten hat Nordkorea dreimal erfolgreich Mittelstreckenraketen getestet. Außerdem testete das international isolierte kommunistische Land 2016 zweimal eine Atombombe. Seit Nordkoreas erstem Atomwaffentest im Jahr 2006 beschloss der UN-Sicherheitsrat bereits sechs Sanktionsrunden gegen das Land. 

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erklärte im Januar, sein Land stehe kurz davor, eine ballistische Interkontinentalrakete zu entwickeln. Trump entgegnete damals im Kurznachrichtendienst Twitter: "Das wird nicht passieren."