Die Briten sollen nach Vorstellung des Chefs der Liberalen im Europäischen Parlament, Guy Verhofstadt, auch nach dem Brexit von einigen Vorteilen der Europäischen Union profitieren können. Dies solle etwa für die Reisefreiheit gelten, forderte Verhofstadt, der als Chefunterhändler des Parlaments an den Brexit-Verhandlungen beteiligt ist.

"Alle Bürger Großbritanniens sind auch Bürger Europas", sagte Verhofstadt dem Guardian. Damit verbunden seien gewisse Rechte – etwa die Wahlberechtigung in der EU oder das Recht, problemlos innerhalb der Staatengemeinschaft reisen zu können. Daher sollte es die Möglichkeit geben, dass sie diese Rechte auch weiterhin wahrnehmen könnten. "Wir brauchen eine Vereinbarung, in der diese Vereinbarung für die Bürger fortgeführt werden kann, die darum individuell bitten." 

Mit seinem Verstoß versucht Verhofstadt, dem Abstimmungsergebnis des Referendums Rechnung zu tragen: Zwar stimmten am 23. Juni 2016 51,9 Prozent der Briten für den EU-Austritt, 48,1 Prozent votierten aber für den Verbleib. Der Europapolitiker hatte sich schon zuvor dafür ausgesprochen, dass sich die EU "offen und freigiebig" einzelnen Briten gegenüber zeigen sollte, die ihre Bindung zum Kontinent behalten wollten.

England und Wales für Brexit

So wurde in den 382 Wahlbezirken mehrheitlich abgestimmt.

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Mehr Mitspracherecht

Großbritanniens Premierministerin Theresa May will bis Ende März offiziell den Austritt aus der EU erklären. Dazu braucht sie die Zustimmung beider Parlamentskammern. Das Oberhaus hatte zuletzt mit großer Mehrheit für eine Gesetzesänderung gestimmt, die ihnen mehr Mitspracherecht einräumt. Nach dem Willen des Oberhauses sollen die Parlamentarier das Recht bekommen, über ein Austrittsabkommen abzustimmen, bevor darüber im Europaparlament beraten wird. Ein endgültiger Beschluss wird Mitte kommender Woche erwartet. Nach der Austrittserklärung beginnen auf zwei Jahre angelegte Verhandlungen zwischen beiden Seiten über die Entflechtung der Beziehungen.

Als Erstes wird dabei auch geklärt werden, welche Zahlungen Großbritannien an die EU noch zu leisten hat. Die EU besteht darauf, dass das Land bereits eingegangene finanzielle Verpflichtungen weiter erfüllt. Dabei geht es um langfristige Zusagen für den EU-Haushalt oder Pensionszahlungen für europäische Beamte. Nach Angaben aus EU-Kreisen könnte sich die gesamte Forderung an die britische Regierung auf bis zu 60 Milliarden Euro summieren.