Eine derzeit laufende Untersuchung, die sich mit der mutmaßlichen Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl beschäftigt, soll ausgeweitet werden. Der Geheimdienstausschuss im US-Repräsentantenhaus werde nun auch prüfen, ob die Regierung von Ex-Präsident Barack Obama im Wahlkampf Vertreter irgendeiner Partei überwacht habe, kündigte der Ausschussvorsitzende, der Republikaner Devin Nunes, an. Damit reagierte er auf eine Forderung aus dem Weißen Haus, die angebliche Abhöraktion gegen Donald Trump untersuchen zu lassen.

Eine entsprechende Untersuchung hatte zuvor Trumps Sprecher Sean Spicer per Twitter gefordert. Die Geheimdienstausschüsse des Kongresses sollten prüfen, ob die Regierung Obama ihre Macht missbraucht habe. Bis zum Ende einer solchen Untersuchung werde sich der Präsident nicht mehr zu dem Thema äußern.

Anschuldigung ohne Belege

Trump hatte seinem Amtsvorgänger am Samstag über Twitter vorgeworfen, in der heißen Phase des Wahlkampfes seine Telefone abgehört zu haben. Anschließend beschimpfte er Obama in weiteren Tweets. Der sei "tief gesunken" und ein "böser (oder kranker) Kerl". Belege für seine Vorwürfe lieferte Trump nicht.

Ein Obama-Sprecher hatte die Vorwürfe als "schlicht falsch" zurückgewiesen. Obama habe niemals das Abhören von US-Bürgern angeordnet. Es sei eine Grundregel seiner Regierung gewesen, dass sich das Weiße Haus niemals in die unabhängigen Untersuchungen des Justizministeriums einmische.

Auch der frühere Geheimdienstdirektor der USA, James Clapper, schloss aus, dass Trumps Telefon während der Präsidentschaftskandidatur im vergangenen Jahr überwacht wurde. "Ich kann das zurückweisen. Ich hätte das gewusst", sagte Clapper dem Sender NBC. Der ehemalige Chef des Auslandsgeheimdienstes CIA, Leon Panetta, warf Trump vor, durch die Anschuldigungen von den umstrittenen Russland-Verbindungen seines Umfelds ablenken zu wollen. "Sie versuchen, etwas zu verbergen", sagte Panetta auf CBS.

James Comey mischt sich ein

Der New York Times zufolge hat der Vorsitzende des FBI, James Comey, das Justizministerium dazu aufgefordert, Trumps Beschuldigungen öffentlich zurückzuweisen. Demnach sagte Comey, die umstrittene Äußerung sei falsch und müsse korrigiert werden, weil sie insinuiere, dass sich auch seine Behörde der widerrechtlichen Überwachung strafbar gemacht hätte. Weder das FBI noch das Justizministerium wollten am Wochenende dazu Stellung beziehen. Den amtierenden Präsidenten zu beschuldigen und Falschinformationen zu verbreiten, wäre vonseiten des FBI ein bemerkenswerter und historisch einmaliger Prozess, schreibt die New York Times.

Trump ist wegen Kontakten zwischen seinen Vertrauten und russischen Regierungsvertretern in Bedrängnis. US-Geheimdienste und das dem Justizministerium unterstellte FBI hatten Russland vorgeworfen, hinter Hackerangriffen auf Demokraten im Wahlkampf zu stehen, um mit den erbeuteten E-Mails das Ergebnis zu beeinflussen. Russland wies dies zurück. Hochrangige US-Demokraten gehen davon aus, dass Russland den späteren Wahlsieger Trump gegen seine Rivalin Hillary Clinton unterstützen wollte.