Ein weiterer wichtiger Mitarbeiter des konservativen französischen Präsidentschaftskandidat François Fillon verlässt dessen Wahlkampfteam. Sein Sprecher Thierry Solère kündigte die Arbeit mit Fillon auf. Am Donnerstag hatten bereits der Schatzmeister des Wahlkampfteams und drei Abgeordnete aus Fillons Republikanischer Partei ihren Rückzug bekanntgegeben.

Gegen den Politiker ermittelt die französische Justiz wegen Korruption, ihm wird die Scheinbeschäftigung seiner Frau und seiner zwei Kinder vorgeworfen. Am Donnerstag durchsuchten Polizisten die Wohnung des Politikers in Paris, am 15. März muss sich Fillon erstmals vor Gericht erklären. Dabei soll auch ein vorläufiges Verfahren gegen ihn eingeleitet werden. Bei den Ermittlungen geht es darum, ob Fillon seine Frau und zwei seiner Kinder auf Staatskosten beschäftigt hat. Fillon hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

"Er kann nicht mehr Kandidat sein"

Die frühere Ministerin Nadine Morano, die Fillons Kandidatur bislang unterstützt hatte, rief den ehemaligen Premierminister auf, sich aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurückzuziehen. Morano sagte bei Franceinfo: "Wenn er trotz allem weitermacht, sind wir in einer Sackgasse." Der frühere Premierminister Dominique de Villepin sagte im Sender Europe1: "Er kann nicht mehr Kandidat sein, weil er keinen inhaltlichen Wahlkampf mehr führen kann."

Eine Reihe von Politikern hatte sich schon zuvor von Fillon distanziert, manche brachten den 71-jährigen ehemaligen Premier Frankreichs, Alain Juppé, als Ersatz ins Spiel. Juppé selbst ließ erkennen, dass er als Ersatzkandidat für die Konservativen bereitstünde. Juppé werde nicht kneifen, falls sich Fillon zurückziehe und er die einhellige Unterstützung seiner Partei bekomme, berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Juppés Umfeld.

Die erste Runde der Präsidentschaftswahl steht bereits am 23. April an. Wegen der hohen Umfragewerte der Rechtspopulistin Marine Le Pen erregt der Wahlkampf auch international großes Interesse. 

Juppé mit guten Umfragewerten

Um antreten zu können, müssen Kandidaten bis zum 17. März mindestens 500 Patenschaften aus dem Kreis bestimmter Volksvertreter sammeln. Der Abgeordnete Georges Fenech hat bereits aufgerufen, dabei Alain Juppé zu unterstützen. Derzeit lag beim Pariser Verfassungsrat lediglich eine Patenschaft für Juppé vor.

Einer Umfrage zufolge könnte eine Kandidatur Juppés die Dynamik des Wahlkampfs zugunsten der Konservativen verändern. Fillon lag zuletzt in Umfragen für den ersten Wahlgang auf Platz drei hinter Le Pen und dem früheren Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der unabhängig von den traditionellen Parteien antritt. Damit käme Fillon nicht in die entscheidende Stichwahl. Nach einer Erhebung des Instituts Odoxa würde Juppé sich dagegen an die Spitze setzen, knapp vor Macron und Le Pen.