Auf die Ermittlungen folgt der Rücktritt: Bruno Le Roux gibt sein Amt als französischer Innenminister auf. Der Grund für seinen Rückzug sind Ermittlungen zu einer möglichen Scheinbeschäftigung seiner Töchter. Staatspräsident François Hollande sagte, er habe das Rücktrittsgesuch von Le Roux angenommen. Nachfolger von Le Roux wird der deutsch-französische Politiker Matthias Fekl, teilte das Präsidialamt in Paris mit. Fekl war zuletzt Staatssekretär im Außenhandel. Er wurde in Frankfurt am Main geboren.

Die nationale Finanzstaatsanwaltschaft hatte am Dienstagnachmittag bekannt gegeben, dass sie Vorermittlungen gegen Le Roux eingeleitet habe. Ihm wird vorgeworfen, seine beiden Töchter auf Parlamentskosten beschäftigt zu haben. 

Die Sendung Quotidien des Senders TMC hatte berichtet, dass die beiden Töchter als Gymnasiastinnen und während ihrer Studienzeit mehrfach kurzzeitig bei ihrem Vater angestellt waren. Sie hätten besonders im Sommer oder während der Schulferien für ihn gearbeitet, sagte Le Roux einer Reporterin. Zusammen sollen sie 24 Kurzzeit-Verträge erhalten haben. Die Daten seien laut TMC von Mitarbeitern des Ministers bestätigt worden. Insgesamt sollen die Töchter laut dem Bericht von 2009 bis 2016 zusammen rund 55.000 Euro erhalten haben.

In einem Fall habe ein Vertrag einer Tochter sich aber mit einem Praktikum der jungen Frau überschnitten. Das Büro des Ministers erklärte dem Sender, die Aufgaben hätten vor und nach dem Praktikum aus der Ferne erledigt werden können. Ähnlich argumentierte das Büro auch in einem anderen Fall, wo eine der beiden Töchter einen Monat in Vollzeit angestellt gewesen war, obwohl sie nur zwei Wochen Uni-Ferien hatte.

Die französische Politik hat damit einen zweiten Fall von möglicher Vetternwirtschaft durch ranghohe Regierungsmitglieder. Auch gegen den konservativen Präsidentschaftskandidaten François Fillon wird wegen Scheinbeschäftigung ermittelt. Fillon soll seine Frau und zwei seiner Kinder für mehr als 800.000 Euro scheinbeschäftigt haben. Le Roux hatte Ende Januar nach Bekanntwerden der Fillon-Affäre im Sender RTL gefordert, die Beschäftigung von Familienmitgliedern zu verbieten. "Es sollte eine einfache Regel geben: Das sollte nicht erlaubt sein, denn es kann zu Unklarheiten und Verdächtigungen führen."