Seit Beginn der militärischen Offensive zur Rückeroberung von West-Mossul im Norden des Iraks sind dort mindestens 300 Zivilisten getötet worden, indem sie von der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) als menschliche Schutzschilde missbraucht wurden. Das Menschenrechtskommissariat der Vereinten Nationen (UN) beziffert die Zahl auf insgesamt 307 zivile Todesopfer im Zeitraum zwischen dem 17. Februar und dem 22. März. Insgesamt sind im Kampf um die irakische Stadt bereits Tausende Menschen gestorben.

Wie UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sagte, treiben die IS-Kämpfer die Menschen in Gebäuden zusammen, die mit Sprengstofffallen bestückt worden sind. Bei Fluchtversuchen würden sie von den Terroristen erschossen. "Das verletzt die einfachsten Grundnormen des menschlichen Anstands und der Moral", sagte Al-Hussein.

Zudem mahnte er die irakischen Truppen und ihre Verbündeten, nicht in die Falle des IS zu tappen. Er bezog sich dabei auch auf eine Gebäudeexplosion, bei der vor knapp zwei Wochen mehr als 200 Menschen getötet wurden. Augenzeugen hatten berichtet, dass Islamisten dort Zivilisten als Schutzschilde in Kellern eingesperrt hatten.

Zu dem Vorfall gibt es unterschiedliche Berichte. Nach Angaben der irakischen Armee hatten IS-Kämpfer das Gebäude mit Sprengsätzen versehen, um Zivilisten zu töten. Einige Augenzeugen erklärten dagegen, das Gebäude sei nach einem Luftangriff der US-geführten Koalition eingestürzt. Auch war davon die Rede, dass bei dem Angriff möglicherweise ein mit Sprengstoff beladener Lkw der IS-Miliz getroffen worden sei.

Die Offensive zur Rückeroberung der zweitgrößten irakischen Stadt hatte im Oktober 2016 begonnen. Nach der Einnahme von Ost-Mossul im Januar konzentrieren sich die Regierungstruppen auf den Westteil der Stadt. Die Islamisten sind dort weitestgehend eingekesselt. Zuvor war es gelungen, den Sitz der Regionalregierung, das Mossul Museum und den Bahnhof zurückzuerobern.

An diesem Montag unternahmen die irakischen Regierungstruppen einen neuen Anlauf zur Rückeroberung der Altstadt. Dort sind nach UN-Angaben rund 400.000 Menschen eingeschlossen. Noch immer stoßen die Truppen auf erheblichen Widerstand der Dschihadisten, für die der Fall ihrer letzten großen Bastion im Irak ein schwerer Rückschlag wäre. Die Dschihadisten wollen ein länderübergreifendes Kalifat errichten, Mossul und die nordsyrische Stadt Rakka betrachten sie dabei als vorläufige Hauptstädte ihrer Bewegung.