Die US-geführte Militärkoalition für den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat bei einem Treffen in Washington die endgültige Beseitigung der Bedrohung durch die Dschihadistenmiliz zum Ziel ihres Einsatzes erklärt. In einer gemeinsamen Abschlusserklärung verliehen die Teilnehmer ihrer Entschlossenheit Ausdruck, die "Bemühungen zur Eliminierung des IS zu intensivieren und zu beschleunigen". Das Außenministertreffen fand auf Einladung von US-Außenminister Rex Tillerson in Washington statt.

Die Erklärung würdigte zudem die Erfolge der Militärkoalition im Kampf um die IS-Hochburgen Mossul im Irak und Rakka in Syrien. Angesichts des sich aus Sicht des Bündnisses abzeichnenden militärischen Zusammenbruchs des IS hieß es in der Abschlusserklärung weiter, dass verhindert werden solle, dass fliehende IS-Kämpfer künftig andere Regionen destabilisieren oder das Internet als Propagandabasis nutzen.

Tillerson sagte, die USA und ihre Verbündeten in der Koalition wollten zu einer Stabilisierung der vom IS befreiten Gebiete beitragen und bei der Minenräumung helfen. Allerdings müsse der Irak dort beim Wiederaufbau der Infrastruktur und der Verwaltungsstrukturen selbst die Führung übernehmen. Für Syrien werde eine "genauer definierte Vorgehensweise" derzeit erst noch ausgearbeitet, räumte der US-Minister ein. Er äußerte zudem die Erwartung, dass der Anführer des IS, Abu Bakr al-Baghdadi, in absehbarer Zeit getötet werde. Nachdem fast alle von Al-Baghdadis Stellvertretern inzwischen tot seien, sei es "nur eine Frage der Zeit, bis Al-Baghdadi das gleiche Schicksal ereilt", sagte Tillerson

Mossul, die letzte IS-Hochburg im Irak, ist inzwischen größtenteils von der irakischen Regierungsarmee mit Unterstützung der Anti-IS-Koalition zurückerobert worden. Die aus 68 Staaten bestehende Allianz unterstützt auch den Vorstoß arabischer und kurdischer Kämpfer auf die nordsyrische Stadt Rakka, die als Hauptstadt des IS gilt.

Flugzeuge der US-Streitkräfte brachten syrisch-kurdische Kämpfer hinter die Verteidigungslinien des IS in der Nähe von Rakka, wie am Mittwoch bekannt wurde. Es ist das erste Mal, dass das US-Militär örtliche Kräfte in Syrien während eines Kampfeinsatzes beförderte. Pentagonsprecher Eric Pahon beschrieb den Transport als Teil einer groß angelegten, äußerst wichtigen Offensive, um das Gebiet unter Kontrolle zu bringen. "Das ist ein bedeutendes strategisches Ziel", sagte Pahon. Im Falle eines erfolgreichen Einsatzes könne man den IS praktisch von den westlichen Zugängen nach Rakka abschneiden.

Kosten von mehr als 22 Milliarden Dollar

Die Anti-IS-Koalition ist nach Angaben des US-Außenministeriums die größte Gruppe von Staaten, die jemals zusammengearbeitet hat, um einen gemeinsamen Gegner zu bekämpfen. Derzeit stellen 23 Länder Truppen für Kämpfe im Irak und Syrien. Seit 2014 sei die Zahl der IS-Kämpfer halbiert worden. Mit 19.000 Luftschlägen habe die Koalition bisher Zehntausende Rebellen vertrieben und 180 führende Terroristen getötet. 62 Prozent des Terrains, das der IS einst gehalten hatte, seien zurückerobert.

2017 werden gemeinsame Ausgaben der Koalition von mehr als 2,3 Milliarden Dollar erwartet, sagte Tillerson. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Deutschland stelle 235 Millionen Euro bereit. Die Unterstützung dürfe nicht nachlassen, auch wenn der IS überall auf dem Rückzug sei. Stabilisierungsprogramme, humanitäre Hilfe und wirtschaftliche Zuwendungen seien entscheidend, um die Terroristen fernzuhalten. Seit 2014 seien insgesamt 22,2 Milliarden Dollar geflossen, teilte das US-Außenministerium mit. Deutschland beteiligt sich an der Allianz unter anderem mit Erkundungsflügen durch Awacs-Maschinen und Recce-Tornados.