Syrische Truppen haben nach Angaben des Kremls die antike Oasenstadt Palmyra mit russischer Hilfe zum zweiten Mal von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zurückerobert. Die Stadt sei wieder vollständig unter Kontrolle, sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin, wie die russische Agentur Interfax meldete. Das syrische Militär und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien bestätigten ebenfalls, dass sich die Islamisten komplett zurückgezogen hätten. Die Soldaten kämen aber wegen zahlreicher Sprengfallen nur langsam im Stadtgebiet voran.

Der IS hatte Palmyra erstmals 2015 besetzt und viele der antiken Baudenkmäler beschädigt. Die Ruinen zählen seit 1980 zum Unesco-Weltkulturerbe. Syrische Regierungskräfte eroberten die Stadt mithilfe russischer Luftangriffe im März 2016 zurück, mussten sie aber im Herbst wieder räumen. In den vergangenen Wochen waren die Regierungstruppen wieder auf Palmyra vorgerückt. Insgesamt wird der IS in Syrien aber immer weiter zurückgedrängt. Derzeit kämpft die syrische Armee auch östlich von Aleppo und in der Stadt Deir al-Sor gegen den IS.

Die Terrororganisation Al-Kaida hat unterdessen den Tod ihrer Nummer zwei bestätigt: Abu al-Chair al-Masri sei in Syrien bei einem Drohnenangriff der US-geführten Allianz getötet worden, teilten die Ableger der Organisation auf der Arabischen Halbinsel und im Maghreb gemeinsam mit. Aus US-Geheimdienstkreisen war bereits am Mittwoch zu hören gewesen, Al-Masri sei am Sonntagabend von einer Hellfire-Rakete in der Nähe der syrischen Stadt Idlib getroffen worden. Er sei dort in einem Auto unterwegs gewesen.

Al-Masri war der Stellvertreter des Al-Kaida-Anführers Aiman al-Sawahiri. Der 59-Jährige stammte aus Ägypten und hieß eigentlich Abdullah Muhammed Radschab Abdulrahman. Nach Erkenntnissen der USA hatte Al-Masri nach den Anschlägen vom 11. September 2001 im Iran Unterschlupf gefunden. Dort hätten ihn die iranischen Behörden vor fast zwei Jahren aus dem Hausarrest entlassen. Im Gegenzug wurde ein iranischer Diplomat freigelassen, der im Jemen in der Gewalt von Al-Kaida war.

Al-Masri soll an den ersten großen Anschlägen von Al-Kaida auf zwei US-Botschaften in Afrika im Jahr 1998 beteiligt gewesen sein. Er war ein Schwiegersohn von Osama bin Laden, der 2011 in einem Versteck in Pakistan von einer US-Spezialeinheit getötet worden.

Kurden geben Gebiete an Assad ab

Die Türkei hat den kurdischen Streitkräften in Syrien derweil mit einem Angriff gedroht, sollten sie sich nicht aus der nordsyrischen Stadt Manbidsch westlich des Euphrats zurückziehen. Das teilte der türkische Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu mit. Zugleich gaben von den USA unterstützte kurdisch-arabische Kräfte in Manbidsch bekannt, erstmals Gebiete an die syrische Regierung von Machthaber Baschar al-Assad abzutreten.

Diese Vereinbarung sei unter Vermittlung Russlands getroffen worden, um einen Konflikt mit der Türkei zu vermeiden, teilte der Militärrat von Manbidsch mit, der Teil der von den USA unterstützten, kurdisch-arabischen Rebellenallianz Demokratische Kräfte Syriens (SDF) ist. Demnach sollen die syrischen Regierungstruppen eine Pufferzone zwischen Manbidsch und von der Türkei unterstützten Rebellen im Norden Syriens kontrollieren.

Die türkische Militäroffensive "Schutzschild Euphrat" in Syrien hatte die dschihadistischen Kämpfer des IS vor einer Woche aus der Stadt Al-Bab in Nordsyrien vertrieben, daran waren neben protürkischen Rebellen auch türkische Truppen direkt beteiligt.

Türkei verfolgt eigene Interessen

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Montag angekündigt, Manbidsch sei das nächste Ziel der türkischen Truppen. Soldaten der Einheiten "Schutzschild Euphrat" hatten am Mittwoch begonnen, auf ihrem Weg nach Manbidsch Dörfer östlich von Al-Bab vom Militärrat Manbidsch einzunehmen. Bis Donnerstag hatten die SDF-Kämpfer die Gebiete aber wieder zurückerobert. Von den rund 30.000 SDF-Kämpfern gehören etwa zwei Drittel zu den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG). Die Türkei stuft die YPG als terroristische Organisation ein.

Auch Manbidsch war von IS-Kämpfern besetzt gewesen, seit August 2016 kontrollieren aber die SDF den Ort nahe Aleppo. Die Türkei kritisiert die USA scharf dafür, dass sie Gruppen unterstützen, die Ankara als Terrororganisationen einstuft. Ankara will auf alle Fälle verhindern, dass die Kurden im Norden Syriens ein zusammenhängendes Gebiet an der türkischen Grenze kontrollieren.

Ankara hatte Ende August seine Truppen nach Syrien geschickt, um gemeinsam mit verbündeten protürkischen Rebellengruppen die Dschihadisten und kurdischen Milizen von der Grenze zurückzudrängen. Auch die Kontrolle über die inoffizielle Hauptstadt des IS, Rakka, will die Türkei den Dschihadisten entreißen, dafür aber unter keinen Umständen mit kurdischen Milizen zusammenarbeiten.