Gerade drei Wochen ist Jeff Sessions im Amt, aber die Einschläge für den Justizminister kommen schon jetzt immer näher. Sessions sei "nicht geeignet, das Amt des wichtigsten Strafverfolgers im Land innezuhaben", so das deutliche Urteil von Nancy Pelosi, der Chefin der Demokraten im Repräsentantenhaus. "Im Sinne des Landes muss Justizminister Jeff Sessions zurücktreten", legte der demokratische Senator Chuck Schumer aus New York nach. 

Die Kritik kam nicht nur von der Opposition, sondern auch von Bürgerrechtsgruppen und Experten. Den Senat unter Eid in die Irre zu führen, sei "der sicherste Weg ins Gefängnis", schrieb Richard Painter, Rechtsprofessor und Ethik-Beauftragter unter George W. Bush, auf Twitter.

Sessions selbst trat am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) in einer eilig anberaumten Pressekonferenz vor die Kameras und erklärte, sich von sämtlichen Ermittlungen bezüglich der Verbindungen zwischen dem Wahlkampfteam von Donald Trump und Vertretern Russlands zurückziehen zu wollen. Die Anschuldigungen gegen ihn seien jedoch "völlig falsch".

Am Abend zuvor hatte das Justizministerium Kontakte zwischen dem damaligen Senator und dem russischen Botschafter während des Wahlkampfs eingeräumt, nachdem die Washington Post darüber berichtet hatte. Bereits im vergangenen Juli soll sich Sessions demnach erstmals auf dem Nominierungsparteitag der Republikaner mit dem Vertreter des Kreml ausgetauscht haben. Im September schließlich hatten sich Sessions und sein russischer Kollege im Büro des Senators von Alabama getroffen.

"Bestenfalls irreführend"

Während seiner Anhörung im Januar war Sessions nach Kontakten zwischen Trump-Beratern und russischen Offiziellen gefragt worden. Damals hatte der Senator jegliche Kenntnis bestritten und ausdrücklich erklärt, nicht mit Vertretern Moskaus kommuniziert zu haben. Der demokratische Senator Al Franken bezeichnete die Äußerungen Sessions am Donnerstag als "bestenfalls irreführend". Senator Schumer sprach von Meineid. Sessions selbst erklärte, seine Antworten während der Fragerunde im Senat seien durchweg ehrlich gewesen.

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Wegen seiner Ansichten zu den Rechten von Schwarzen und Homosexuellen war Sessions vor seiner Nominierung von Demokraten und Bürgerrechtlern heftig kritisiert worden. Inzwischen gilt Sessions als einer der engsten Vertrauten und eines der wichtigsten Machtzentren in der Trump-Regierung. Im Wahlkampf hatte er sich als erster Senator hinter den Kandidaten Trump gestellt. Der Republikaner aus Alabama war maßgeblich an dem populistischen Ton der Kampagne beteiligt und sorgte dafür, dass Trump seine Positionen zu Einwanderung und Handel verschärfte. Heute genießt er dafür die volle Unterstützung mächtiger Trump-Berater wie Stephen Bannon, der den Konservativen bereits vor Jahren selbst ins Rennen um das Weiße Haus schicken wollte.