Die weitreichendste Aussage mit Blick auf den Täter von London hat bisher der Chef der Antiterroreinheit der Londoner Polizei, Mark Rowley, getroffen: Seine Behörde gehe derzeit und vorbehaltlich anderer Ermittlungsergebnisse davon aus, dass der Attentäter allein gehandelt habe und vom "internationalen Terrorismus" inspiriert gewesen sei.

"Vom internationalen Terrorismus inspiriert" dürfte bedeuten, dass die Polizei vermutet: Der Täter hat aus dschihadistischen Motiven gehandelt. Sollte er zudem ein Einzeltäter gewesen sein, wären zwei entscheidende Kriterien für einen sogenannten lone wolf erfüllt: ein Attentäter, der sich allein und ohne Anbindung an eine Terrororganisation, aber auf Grundlage von deren Anstachelung und Propaganda, zur Tat entschließt.

Doch es ist wichtig zu verstehen, dass dies eine Arbeitshypothese der Londoner Polizei ist. Solche Hypothesen können sich – mitunter Monate später – als falsch herausstellen. Echte lone wolves sind extrem selten. Meistens gibt es doch irgendeine Art von Rückkopplung oder Steuerung.

Die Methode stimmt

Gerade erst haben Festnahmen in der Türkei gezeigt, dass es sich möglicherweise genau so mit dem Attentäter vom Berliner Breitscheitplatz verhalten hat: Die türkischen Behörden glauben, dass sie Hintermänner der Tat gefasst haben, die ihm den Einsatzbefehl erteilt hatten. Damit wäre Anis Amri beispielsweise kein lone wolf mehr.

Im Falle Amris gab es ein von ihm selbst aufgezeichnetes Bekennervideo, das er vorab produziert hatte und in dem er sich zur Terrorgruppe "Islamischer Staat" bekennt. Der IS hat zudem die Tat für sich reklamiert.

Im Falle des Londoner Attentäters hat sich bisher weder der IS auf seinen offiziellen Kanälen geäußert, noch ist ein Video oder eine sonstige Form der Benennung des Täters bekannt geworden. Wir wissen also noch überhaupt nicht, ob es eine Lunte gibt, die zum IS zurückführt. Das muss auch keineswegs so sein.

Erstens gibt es noch andere dschihadistische Gruppen, die zu Anschlägen dieser Art (selbstorganisiert, einfache Methoden) aufgerufen haben, zum Beispiel Al-Kaida.

Zweitens hat es Attentäter gegeben, die sich offenbar selbst nicht ganz im Klaren darüber waren, in wessen Namen sie agiert haben wollten. So war es in Orlando, wo der Todesschütze neben dem IS auch andere Gruppen genannt hat, zum Beispiel die Hisbollah, was nicht zusammenpasst.