Einen Tag nach einem Raketentest Nordkoreas haben die USA damit begonnen, Ausrüstungsteile für ein umstrittenes Raketenabwehrsystem nach Südkorea zu bringen. Das Raketenabwehrsystem Terminal High Altitude Area Defense (THAAD) soll bis Ende des Jahres einsatzbereit sein. China lehnt die Stationierung strikt ab, weil es den starken Radar des Systems als Sicherheitsbedrohung sieht. 

Harry Harris, der Kommandeur der US-Truppen im Pazifik, begründete die Stationierung mit dem jüngsten nordkoreanischen Raketentest. Dieser sei ein Beweis dafür, dass es nötig sei, THAAD-Systeme nach Südkorea zu bringen. Einem Bericht der Agentur Yonhap zufolge sind bereits zwei Abschussrampen angekommen.

Harris betonte, das THAAD-System diene ausschließlich der Verteidigung gegen nordkoreanische Bedrohungen. "Es stellt keine Gefahr für andere Länder in der Region dar." Die THAAD-Raketen könnten ballistische Raketen von kurzer und mittlerer Reichweite abfangen und zerstören.

China hatte die neue US-Regierung und Südkorea wiederholt vor der Stationierung von THAAD auf der koreanischen Halbinsel gewarnt. Die Führung in Peking wirft den USA vor, dadurch das regionale Gleichgewicht zu verändern. Auch Russland ist gegen die Aufstellung der Raketen in Südkorea. 

Raketenübung richtete sich gegen USA

Bei seinen jüngsten Raketentests hatte Nordkorea am Montag vier ballistische Raketen in Richtung japanischer Küste abgefeuert. Nach Angaben Südkoreas flogen die Geschosse rund 1.000 Kilometer, bevor sie im Japanischen Meer nur rund 300 Kilometer vor der japanischen Küste ins Meer stürzten.

Die amtliche Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA berichtete, man habe den Test dazu genutzt, um "Stützpunkte der imperialistischen Aggressor-Streitkräfte der USA in Japan im Notfall" zu treffen. In Japan sind derzeit 54.000 US-Soldaten stationiert. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un habe den Test beaufsichtigt. Kim warnte, die Situation auf der koreanischen Halbinsel sei so ernst, dass "zu jeder Zeit ein Krieg ausbrechen kann".

Die USA und Südkorea haben am Mittwoch mit ihrem jährlichen gemeinsamen Manöver begonnen. Nordkorea sieht in diesen Übungen eine Vorbereitung auf einen Krieg auf der koreanischen Halbinsel und hat mit "starken Vergeltungsmaßnahmen" gedroht.

US-Präsident Donald Trump sicherte Japan die hundertprozentige Unterstützung zu, wie Japans Regierungschef Shinzo Abe sagte. Er hat einen harten Kurs gegenüber der Regierung in Nordkorea angekündigt. Der UN-Sicherheitsrat berät am Mittwoch in einer Dringlichkeitssitzung über den Raketentest.