Südkoreas Verfassungsgericht hat Präsidentin Park Geun Hye wegen eines Korruptionsskandals endgültig des Amtes enthoben. Das Vorgehen Parks habe den Geist der Demokratie und den Rechtsstaat "ernstlich geschädigt", sagte die Vorsitzende Richterin Lee Jung Mi bei der Urteilsbegründung in Seoul. Die acht Richter fällten die Entscheidung einstimmig. Das Land muss nun bis zum 9. Mai Neuwahlen abhalten, um einen Nachfolger zu bestimmen. Es ist die erste Amtsenthebung von diesem Posten, seit Ende der 1980er Jahre die Demokratie in Südkorea eingeführt wurde.

Hunderte hatten sich vor der Urteilsverkündung in der Nähe des Gerichts versammelt, um der Entscheidung beizuwohnen. Auf riesigen Bildschirmen konnten die Zuschauer die historische Verkündung verfolgen. Polizisten bereiteten sich auf mögliche Proteste vor, setzen Helme auf und zogen Schutzkleidung an. Gegen die Präsidentin hatten wochenlang Hunderttausende Südkoreaner demonstriert.

Das von der Opposition kontrollierte Parlament des Landes hatte im Dezember dafür gestimmt, Park abzusetzen. Die Präsidentin wird verdächtigt, ihrer engen Vertrauten Choi Soon Sil geholfen zu haben, Geld und Vorteile von Unternehmen zu erpressen.

Zudem soll sie zugelassen haben, dass Choi sich in Staatsangelegenheit einmischte, ohne ein Regierungsamt zu bekleiden. Park entschuldigte sich dafür, Choi vertraut zu haben. Dass sie damit gegen Gesetze verstoßen habe, bestreitet sie jedoch. Choi sitzt inzwischen in Haft. Mit der Amtsenthebung erlischt auch Parks Immunität vor einer Strafverfolgung. Die Staatsanwaltschaft könnte nun den vom Parlament erhobenen Vorwürfen nachgehen. Bislang weigerte sich Park, mit Ermittlern darüber zu sprechen. Nun könnte sie allerdings angeklagt werden, und die Staatsanwalt könnte einen Haftbefehl erwirken, anstatt Park immer nur um eine Aussage zu bitten.

In den Umfragen zu den Kandidaten für die nächste Präsidentenwahl liegt derzeit der linksliberale Oppositionspolitiker Moon Jae In vorn, der 2012 die Wahl gegen Park verloren hatte. Nach mehr als neun Jahren konservativer Regierung deutet sich damit ein Machtwechsel  an. Park war die erste Präsidentin des Landes. Ihr Vater war der frühere Diktator Park Chung Hee, der das Land in den sechziger und siebziger Jahren regierte.