Die EU hat die sofortige Freilassung von Demonstranten gefordert, die bei den Massenprotesten in mehreren russischen Städten am Wochenende festgenommen worden waren. Das Vorgehen der Polizei habe Grundrechte von Bürgern verletzt, sagte eine EU-Sprecherin. Rechte wie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit seien in der russischen Verfassung festgeschrieben.

An den Demonstrationen hatten nach Polizeiangaben allein in Moskau knapp 8.000 Menschen teilgenommen. In St. Petersburg waren es 4.000 Demonstranten, berichtete eine Reporterin der Nachrichtenagentur AFP. In vielen weiteren Städten hatte es ebenfalls Kundgebungen gegeben. Die Menschen waren einem Aufruf vom Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gefolgt, der dem russischen Regierungschef Dmitri Medwedew Korruption vorwirft.

Die Menschenrechtsgruppe OWD berichtete von knapp 1.000 Festnahmen in Moskau. Die russische Polizei sagte, es seien 500 gewesen. Auch Nawalny selbst befand sich unter den Festgenommenen. In den anderen Städten nahm die Polizei ebenfalls Demonstranten fest. Es waren die größten nicht genehmigten Proteste gegen Korruption in Russland seit Jahren.

"Angriff auf die zentralen Werte der Demokratie"

Neben der EU verurteilten auch die USA die Reaktion der Polizei: "Die Festnahmen von friedlichen Demonstranten, Menschenrechtsbeobachtern und Journalisten sind ein Angriff auf die zentralen Werte der Demokratie", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. Die USA seien zudem besorgt wegen der Festnahme Nawalnys.

Der prominente Kritiker der russischen Regierung war im Februar zu einer Haftstrafe von fünf Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Ihm wird Veruntreuung vorgeworfen. Nawalny weist die Vorwürfe zurück und will in Berufung gehen. Seiner Ansicht nach wollen ihn die Behörden von einer Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2018 hindern. Anfang März hatte Nawalny ein Video veröffentlicht, in dem er Belege für die angebliche Korruption ranghoher Staatsdiener zeigte. Demnach soll Ministerpräsident Medwedew über ein undurchsichtiges Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen ein Immobilienimperium kontrollieren. Nawalny prangert in seinem Blog seit Jahren Korruption an.