US-Präsident Donald Trump hat seinem Vorgänger Barack Obama vorgeworfen, ihn im Oktober – kurz vor der Präsidentenwahl – abgehört zu haben. "Wie tief ist Präsident Obama gesunken, um meine Telefone während des heiligen Wahlprozesses anzapfen zu lassen", twitterte Trump.

Ob das wohl legal gewesen sei, fragte Trump in einem weiteren Tweet. Es sei auf jeden Fall "ein neuer Tiefpunkt", schrieb der Präsident. Er sei überzeugt, dass ein guter Anwalt einen großartigen Fall daraus machen könnte.

In einem weiteren Tweet schrieb Trump: "Böser (oder kranker) Kerl!" – offenbar in Bezug auf seinen Amtsvorgänger. Weiter vergleicht er die Situation mit der Watergate-Affäre in den siebziger Jahren. Damals waren fünf Männer in die Wahlkampfzentrale der Demokratischen Partei im Watergate-Gebäude in Washington eingebrochen, um Abhörwanzen anzubringen. Sie wurden von der Polizei erwischt und verhaftet. Vor allem Dank den Recherchen der US-Journalisten Carl Bernstein und Bob Woodward für die Washington Post wurde bekannt, dass die Einbrecher im Auftrag des Weißen Hauses handelten – in dem der Republikaner Richard Nixon die USA führte. Zwei Jahre später musste Nixon als Präsident zurücktreten.

In einem anderen Tweet sprach er von "McCarthyism". Es ist eine Anspielung auf die McCarthy-Ära in den vierziger und fünfziger Jahren, der Anfangsphase des Kalten Krieges. Sie ist benannt nach dem damaligen Senator Joseph McCarthy und war geprägt von Antikommunismus und Verschwörungstheorien.

Trump nannte für seine Anschuldigungen keine Belege. Es wurde in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet, dass das FBI und die Geheimdienste während des Wahlkampfs in Trumps Umfeld Untersuchungen durchgeführt hätten. Darüber hatte unter anderem die New York Times berichtet. Angeblich soll untersucht worden sein, ob es finanzielle Verbindungen aus Trumps Umfeld nach Russland gab. Zuletzt hatte die Zeitung darüber am 19. Januar – am Vorabend von Trumps Amtseinführung – berichtet.

Die Berichte bezogen sich auf polizeiliche und geheimdienstliche Untersuchungen. Nach allem, was bekannt ist, hatte Obama damit nichts zu tun. Abhöraktionen – wie sie Trump nun unterstellt – müssten vom Chef des FBI, James Comey, angeordnet worden sein, nicht vom Weißen Haus.

Vorwürfe kamen erstmals von rechtsgerichtetem Hörfunk

Am Donnerstag hatte eines der vielen rechtsgerichteten Talkradios in den USA (Mark Levin) berichtet, dass Obama hinter solchen Untersuchungen stecke. Am Freitag griff das rechtsgerichtete Nachrichtenportal Breitbart News das Thema auf, am Samstag twitterte der Präsident. Breitbart News wurde von Stephen Bannon mit gegründet, der heute Chefberater des Präsidenten im Weißen Haus ist.

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Trump ist über das Wochenende in Mar-A-Lago in Florida. Einige Follower schlossen nicht aus, dass Trump mit seiner aufsehenerregenden Aktion von den Schwierigkeiten ablenken will, die erst sein Wahlkampfteam und nun seine Regierung mit den ungeklärten Beziehungen zu Russland hat. Obama hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.